Wie’s weiter ging

Im Herbst war ich fit genug für eine Dreitagestour, über 600km von Schaffhausen am Rhein bis nach Wiesbaden. Im nächsten Jahr gab es schon zwei dieser Räder – das zweite stammte aus Mönchengladbach und steht jetzt im Ferienhäuschen an der Grenze zu Holland.
Mittlerweile hatte mich der Virus gepackt, und ich habe mir einen „richtigen“ Oldtimer selbst aufgebaut (im Winter 2008-2009). Ein 35 Jahre altes französisches Vollprofirad aus Reynolds 531 (vermutlich 531SL), für einen lächerlich geringen Betrag als „Schrott“-Rahmen im französischen ebay erstanden.
Auch dies Rad hat einen gewissermaßen persönlichen Bezug, weil ich – zum 13. oder 14. Geburtstag – einen Motobecane Tourenrenner geschenkt bekam.
Damals kamen die besten, noch bezahlbaren, für den Alttagsgebrauch tauglichen Räderaus Frankreich – die Deutsche Fahrradindustrie lag zu der Zeit selbstverschuldet in den letzten Zügen, und produzierte nur noch Schund, aber dafür in ungeheuren Massen. Ich hatte, wenn ich mich richtig erinnere, nur vier oder fünf Jahre Freude an dem Rad, bevor es mir gestohlen wurde. Als ich dann ein Studentenrad in ähnlicher Art suchte gab es die Marke Motobecane, oder überhaupt Qualitätsfahrräder aus französischer Produktion, nicht mehr. Zur Auswahl standen inzwischen Koga Miyata aus Japan und Giant aus Korea. Es wurde dann aus Preisgründen ein Giant, heute noch mein „Dienstrad“…
Es blieb die Sehnsucht nach einem guten französischen Rad, aus der Zeit bevor die Japaner übernahmen.

Philippe

Dieses Rad, ein wirkliches Einzelstück, habe ich mit zeitgenössischem Zubehör (ca. 1975-1979) aus Einzelteilen wieder aufgebaut.
Damals, also um 1980 herum, war die Vertriebssituation für französische Fahrradteile bereits so katastrophal dass niemand daran denken konnte ein Fahrrad mit den schönsten oder besten Teilen des Landes aufzubauen. Man musste froh sein wenn man überhaupt etwas kaufen konnte, und nicht Monate warten musste um zu erfahren was es alles nicht mehr gab oder was es außer im Katalog niemals gegeben hatte…
Auch ein Grund für den Erfolg der Japaner (Shimano): sie hatten im Vertrieb keine Schlafmützen sitzen. Das meiste gab es im Laden direkt zu kaufen – das, was es im Katalog gab konnte man bestellen. Einmal erhielt ich, nach 2 Monaten Bestellzeit, für meine Randonneuse sogar spezielle Shimano 600 Bremshebel aus Japan die eigentlich exclusiv für Koga Miyata produziert wurden und die ich bis heute in keinem Katalognachdruck gesehen habe…
Was ich damit sagen will, ist dies: Im Jahr 1979 hätte in Deutschland ein Rad dieser Art niemand aufbauen können – außer vielleicht mit speziellen Kontakten in die französische Radprofiszene. 30 Jahre später war nur noch Know-how das Problem, nicht mehr die Logistik. Nur die Firmen gibt es alle nicht mehr.
Im November 2009 im tourforum zum Klassiker des Monats vorgestellt, wurde mein PHILIPPE gegen sehr starke Konkurrenz – letztlich gewann ein viel teureres Rad – Zweiter.

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