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L’Eroica – die Heldenhafen…

Dienstag, März 1st, 2011

Im Oktober 2009 fuhr ich damit das bekannteste Rennen für klassische Rennräder, an dem jeder teilnehmen kann, die l’eroica in der Toskana, 135km.
Dies „Rennen“, mehr eine Ausdauerprüfung mit Oldtimer-Flair, geht teilweise über übelste Schotterstraßen, über die 99% der deutschen Rennradfahrer ihre neuen glänzenden Räder niemals quälen würde. Die alten stecken das aber problemlos weg- auch wenn sie dabei zwangsläufig nicht hübscher werden. Aber eben das ist das Los einer benutzbaren Maschine, im Unterschied zu einem Kunstwerk: Jeder im Betrieb erworbene Kratzer adelt sie.
Im Oktober 2010 nahm ich erneut teil, diesmal fuhr ich 195km. Die gesamte Strecke auf der langen Prüfung beträgt 205km – die werde ich wohl auch noch schaffen.
Viele sind dafür nicht besonders schnell, aber 14 Stunden unterwegs.

Beobachtungen

Ich fahre etwa 3.500-4.000km im Jahr, zwischen März und November zwei bis dreimal wöchentlich, davon 95% auf dem oben abgebildeten Norta. Als Vielfahrer würde ich mich damit nicht bezeichnen. Supersportler bin ich auch nicht: Mit einem 28er Schnitt auf meinen Trainingsfahrten bin ich hochzufrieden, weil es bei uns ziemlich hügelig ist. Aber den Gr. Feldberg hochzufahren, ist für mich nichts besonderes. Die steileren Anstiege sind eh‘ bei uns im Hintertaunus…

Mittlerweile sehe ich wieder häufiger Sportler die auch mal ihre alten Stahlrenner bewegen, und grüße jeden mit der Klingel — an jedes vernünftige Rad gehört eine Klingel, selbstverständlich auch an ein Rennrad: Man fährt ja nicht bloß auf Straßen. Mir sind gute asphaltierte Feldwege sogar lieber. Selbstverständlich grüße ich auch die Helm und Sonnenbrille tragende Fraktion, jedenfalls solange sie mir beim Entgegenkommen so vorkommen als ob sie ihre Umgebung überhaupt noch wahrnehmen…

Irgendwo müssen sie jedenfalls stecken, all diese alten Räder. Sie gehen ja normalerweise nicht kaputt. Die meisten werden wohl in irgendwelchen Kellern oder Garagen herumstehen bis sie mal „wiederentdeckt“ werden. Es ist auch nicht so dass ich ein Hakenpedal-Fetischist bin: Mir ist nur der moderne Markt zu unübersichtlich. Ich bin schlicht zu faul, mich für ein System von Klickies zu entscheiden, mich drauf einzustellen und meine schönen alten Rädern mit ihnen zu verunzieren…

In Frankreich sah ich mehr von ihnen: Männer nicht mehr ganz jungen Jahrgangs, die nonchalant und würdevoll, ohne große Hatz, das Rennrad ihrer Jugendzeit bewegten – meistens auch in älteren, weniger schrillfarbenen Trikots. Ohne dunkelgetönte Sonnenbrille und krokodilförmigen, lüftungsbeschlitzten Helm, von der Fraktion jüngerer „Leistungssportler“ abgesetzt…

Selbstverständlich achte ich heute auch darauf, dass meine vierjährige Tochter den Helm aufsetzt wenn wir Rad fahren, aber manchmal frage ich mich doch schon, wie wir das früher überlebt haben: Ohne Helm Fahrrad zu fahren und doch auch ab und zu mal herunterzufallen!