Archive for November, 2011

Schon 750km als Handpferd!

Montag, November 14th, 2011

Vor mehr als 15 Jahren, damals noch aktiver Distanzreiter, hab ich begonnen ein Reitbuch als Excel-Tabelle zu führen über gerittene km, Strecken, Hufbeschlag, Fütterung, Weideumstellungen, Wurmkuren… überhaupt alle Einzelheiten rund ums Pferd die man so leicht vergisst — ohne  die man aber nicht auskommt, wenn es irgendwann mal gilt nach Fehlern zu suchen die man gemacht hat. Oder generell, unvermeidliche Fehler „so klein wie möglich“ zu halten…

In Zeiten wo ich wenig ritt, hab ich mein Reitbuch (das vor 30 Jahren einen Vorgänger in Papierform hatte) manchmal nicht akkurat gepflegt, in Zeiten mit hoher Arbeitsbelastung für die Pferde aber immer. In manchen Jahren gingen die Pferde 4.000km im Jahr, geritten oder als Handpferd. In diesem Artikel (den ich mal für Distanz Aktuell verfasst hab) steht mehr dazu.

Die „Neue“ hat jetzt, in rd. 5 Monaten, genau 750km absolviert, das meiste als Handpferd (geritten noch keine 100) . Wir haben damit, und zwar ohne wirkliches Bewusstsein von „Arbeit“ – meine Pferde haben zwar einen Job aber ich „arbeite“ sie nicht… – ganz spielerisch und kinderleicht, eine Grundfitness aufgebaut, für Muskulatur, Sehnen und Hufe. Auf diese werden wir nächstes Jahr weiter aufbauen können. Jetzt beginnt die Zeit wo man bei ganzjähriger Weidehaltung wie ich sie pflege die Arbeitsbelastung zweckmäßigerweise stark runterfährt, auch wenn man keine monatelange „Winterpause“ macht – wovon ich (nicht bloss weil man im Hohen Taunus bei Schnee so herrlich reiten kann) nie ein Freund war. Üblicherweise ist der November mein reitschwächster Monat, dieses Mal war er es nicht. Und auch für meine beiden alten Pferde war es nochmal ein herrlicher Herbst…

Hurra, sie geht!

Donnerstag, November 3rd, 2011

Gestern abend hatte ich wirklich zum ersten Mal das Gefühl sie zu „reiten“. Und das, nachdem sie mich am Sonntag bereits 7km herumgetragen hat, im Schritt, Trab und auch ein paar Sprüngen Galopp.

Aber gestern, da hat sie dabei zum ersten Mal wirklich auf meine Hilfen gewartet und reagiert. Ich überfalle sie ja nicht damit sondern biete sie nur an. Und auch nur wenn sie nicht negativ darauf reagiert. Ein bisschen Gewichts- ein bisschen Oberschenkelhilfen. Magst Du das, stört Dich das? Hier lege ich Dir rechts den schweren Zügel an den Hals, das bedeutet es geht gleich nach links. Mach mit dieser Vorankündigung was Du willst…!

Wir begannen wieder mit 6-7km Handpferderitt. Schon allein dabei ist sie viel feiner geworden. Ein fein reagierendes Handpferd, das wieder zieht noch sich zurückhängen lässt, das auf jede Bodenunebenheit aufmerksam reagiert, dass 100% hellwach und reaktionsschnell ist, über jeden Ast springt (aber nicht so dass es das Reitpferd aus dem Takt bringt) ist ein echtes Vergnügen. Das erlaubt, auch mal in rasantem Tempo da durchzukommen wo kaum einer glaubt dass das möglich ist. Auf so einen Spaß, zusammen mit einem anderen ehrgeizigen Pferd freut man sich doch, nach einem langweiligen Herbsttag auf der Koppel!

Auf gutes Handpferdereiten wird im allgemeinen so wenig Wert gelegt dass es noch nicht mal irgendwo beschrieben ist. Dabei ist es der Königsweg in der Geländereitpferdausbildung!

Das fängt schon mit passender Ausrüstung zum Handpferdereiten an, die es kaum zu kaufen gibt.

Stolz!

Ich war schon früher ein großer Freund von Pferdestricken aus Hanf aber im Laufe vieler Jahre gingen sie alle kaputt oder verloren. Jetzt zum Handpferdereiten hab ich mir ein 14mm Kernmantelseil (Segelschot) in der mir passenden Länge anfertigen lassen:  Etwas länger als ein Parelliseil, weil ich die Handpferde gern unabhängig laufen lasse. Schwerer als die typischen Nylonstricke, aber es schwingt immer noch zuviel im höheren Tempo. Man muss immer wieder Leine einholen, das führt zu Mißverständnissen mit dem Handpferd weil es denkt, es müsse näherkommen. Außerdem wird es nicht als begrenzende Hilfe wahrgenommen wenn ich es leicht gegen das Handpferd baumeln lasse, weil ich vielleicht möchte dass das Handpferd auf der anderen Seite um ein Hinderniss herumläuft anstatt sich gegen das Reitpferd zu quetschen.

Wieviel anders mit einem schweren /16mm Hanfstrick! Der bounct nicht, sondern hängt gleichmässig durch, und wird dadurch vom Handpferd gleich als „Einrahmung“ verstanden. Der fasst sich auch ganz anders an.

Bei meinem letzten Pferd das ich zugeritten hab, vor 15 Jahren,  hab ich zu spanischen Kappzäumen gegriffen, dem Pluvinel  das ich aber irgendwohin verlegt oder verliehen habe… und Natascha ist, oder war schon immer ein anderer Typ, wesensmässig.. die will gesagt bekommen wo es langgeht, während die Neue gar nicht solange abwartet, die fragt von sich aus… die ist so feinfühlig, ein Typ für ein Unterlegebosal und den angelegten Zügel am Hals. Dazu braucht man wieder das Hanfseil, das wie eine schwere Mecate wirkt und auch so geführt wird, d.h. beidhändig mit großem Abstand zwischen den Händen. So wie das der Pionier des Westernreitens in Europa, Jean-Claude Dysli, 1973 in seiner Serie über das Bosalreiten in der Freizeit im Sattel beschrieben hat, die man unter Freizeitreitern bis weit in die Neunziger, als dann alle plötzlich „barock“ reiten wollten, als Referenzbeitrag über pferdefreundliches Anreiten kannte… (muss sie mal suchen und einscannen, bis dahin Anleitung für Mecate-Knoten hier)

Das Unterlegebosal lege ich übrigens nicht extra zum reiten an, das wird zum Handpferdereiten mit eingeschnallt, der Karabinerhaken des Stricks kommt gleichtzeitig mit in den unteren Halfterring, wie oben auf dem Bild. Das verhindert dass das Bosal herumbaumelt und an der Nase scheuert. – Habe ich schon erwähnt dass auch gut passende, nicht scheuernde, richtig eingestellte Halfter zum Handpferdereiten nicht eben selbstverständlich sind?

Das Unterschnallbosal gibt es übrigens als Tie-down für Westernreitleistungssportler zu kaufen… Ein Originalbosal hängt bei mir immer noch am Haken – die Pferdehaar-Mecate ist  irgendwie weg, die war noch 10x sperriger und stachliger als der Hanfstrick. Für mich nicht praktisch genug. Und ein Lindel hängt da auch noch, da fand ich die seitliche Einschnallung der Zügel schon irgendwie immer physiologisch verkehrt…