Archive for Juni, 2012

Erste Wanderfahrt

Freitag, Juni 29th, 2012

Bis zum ersten Wanderritt weiß man nie wie sich ein Jungpferd dort macht. Wir haben jetzt unsere erste „Fahrt“ hinter uns : So nenne ich das wenn wir irgendwo hinfahren und vom Lagerplatz ohne größeres Gepäck zu Tagestouren aufbrechen und abends wiederkommen, aber ohne Zaun und feste Übernachtungen mit den Pferden draußen campen.

Wir waren vier Tage im Vogelsberg und sind dabei 161km geritten. D.h., Andrea mit Zahra und ich hatte Khorsheet dabei. Und sie hat sich ganz toll gemacht. Am meisten hatte ich Sorge ob sie sich daran gewöhnt am Seil zu stehen aber sie machte es wirklich klasse. Sie ist eben ein schlaues Pony, das aufpasst und sich nicht selbst in Gefahr bringt.

Es waren Wege dabei die derart mit Holz zugeworfen waren dass mir die Pferde schon leidtaten. Aber sie ging hinein : vorsichtig aber mit unermüdlichen Tatendrang! Und sie vertrug sich gut mit Zahra (die sie für einen Hengst hielt und pausenlos anrosste).

Die längste Tagesetappe war 47km – bisher bin ich sie längstens 30km am Stück geritten. Als Sattel hatte ich den Schweizer Offizierssattel mit, aber richtig froh bin ich mit ihm nicht geworden : ich ritt 4 Tagem mit Rückenschmerzen. Jetzt im Moment reite ich sie mit meinem  Militärsattel (Gr.2, dem engeren der beiden die ich in dieser Größe habe), und habe das Gefühl, dass dieser mich wesentlich besser im leichten Sitz unterstützt, den ich bei ihr – auch künftig –  noch oft einnehmen muss. Dieser rutscht auf ihrem Rücken auch am wenigsten.

Gewisse Befürchtungen hatte ich auch dass sie nicht in den Hänger geht, da ich sie, seitdem ich sie vor einem Jahr kaufte, kein einziges Mal transportiert habe. Es gab hierzu keinen Anlass. Ich „übe“ solche Sachen nicht, weil solche Trockenübungen nach meiner Erfahrung rein gar nichts bringen. Entweder ein Pferd hat Vertrauen zum Reiter, und geht ihm zu gefallen in den Hänger, oder nicht. Am Vertrauen – daran muss man arbeiten – als Reiter selbst! Dem Pferd beweisen dass man sein Vertrauen verdient – jeden Tag. Rückwärts gehen, sich zur Seite richten lassen, dabei nicht hektisch werden – solche Sachen muss man üben – und zwar nicht zu knapp, falls nötig! Die müssen sitzen, nicht nur auf dem Reitplatz bei Schönwetter, sondern auch bei Nacht im tosenden Unwetter. Wenn es drauf ankommt!

Wie sie dann reinging war dann doch verblüffend: Zahra stand schon drin, und da wir ohne Trennwand fahren, musste ich erst mal für ein bisschen Platz sorgen und sie etwas zur Seite beordern. Andrea stand mit ihr am Strick vor der Rampe. Dann kam von hinten „Ich glaub sie will reingehen; ich komm jetzt mal bevor sie es sich wieder anders überlegt!“ — und 2 Sekunden später stand sie neben mir. Hoppala!

So eine trockene Coolheit ist umso erstaunlicher, als dass sie nach kurzer Fahrt wieder schweissnass vor Aufregung war. So ist sie eben. Trotzdem ein Sensibelchen. Immer auf dem Sprung, auch im Gelände. Geht vorwärts wie nix und ist dabei super-gehorsam, aber sofort bereit wie ein Wild zur Seite zu hüpfen wenn ihr irgendwas komisch vorkommt. Und wenn man sie dann richtig an den Zügel nimmt wird sie erst recht nervös. Was eigentlich auch nicht nötig ist weil sie auch am langen Zügel wunderbar ausbalanciert läuft, und auf Stimme und Sitzhilfen reagiert. Und das beste ist ihre samtweiche Anlehung  am Kandarenzügel, als wäre sie schon 2 Jahre geritten. Aber durch ihre Hüpfer manchmal leider alles andere als bequem im Sattel. Und sie hüpft immer nur bei wirklich albernen Sachen : Hervorstehende Pflanzenbüschel, Holzstämme, Sitzbänke… Wenn ein Schwer-LKW, Bus oder Traktor kommt, dann ist sie das coolste Pferd von allen.

Am vierten Tag schimpfte ich sie dann aus weil sie wieder mal ihren Pony-Sturkopf zeigte und beim anhalten nicht stehenbleiben wollte — und wegen meines zu scharfen Tadels war das ganze Pferd sofort schweißnass, und musste getröstet werden… Das sind schon Situationen wo man bei ihr viel Feingefühl braucht. Aber sie ist dabei so lieb, bescheiden und unprätentiös – ganz toll. Genauso wie meine Ligeira war… sie hat mein Herz erobert, ganz klar…. mit all dem!

Hänger und Auto hatten übrigens erst kurz vor der Fahrt endlich frischen TÜV gekriegt, nach viel Arbeit. Der Hänger hat wieder einen neuen Boden (der alte hat 12-13 Jahre durchgehalten). Es ist ein herrliches Gefühl wieder so ein tolles Pferd und „alles rittbereit“ zu haben…

Erster Beschlag (28.4.2012)

Mittwoch, Juni 27th, 2012

Nach nun 1000 gerittenen km, davon fast 300 im letzten Monat (plus 100km Handpferd) habe ich mein Pferdchen nun zum ersten Mal beschlagen — und berichte gleich vom Ende dieser ersten Beschlagperiode…

Auch wenn ich seit über 20 Jahren meine Pferde nun selbst beschlage bin ich doch vorsichtig mit solchen Entscheidungen, wenn ein Pferdchen so toll barfuß läuft wie meine Kleine. Man soll der Natur doch nur ins Handwerk pfuschen wenn es wirklich erforderlich ist. „Der Hufbeschlag als „notwendiges Übel“ sollte auf das wirklich notwendige beschränkt bleiben“ (Zitat nicht wörtlich, aber dem Sinn nach, Rittmeister Peter Spohr, der wirklich viel ritt). Es gibt wohl nicht allzuviele Schmiede die das genauso sehen.

Beschlagen habe ich sie mit St. Croix Eventern, das sind die besten Eisen die man für Geländepferde heute kaufen kann. Stand der Technik, Punkt! Genau solche Eisen hätte ich mir schon vor 10-15 Jahren gewünscht! Sowas muss natürlich mal wieder aus Amerika kommen. Sie sind sogar innen angeschliffen wie das jeder vernünftige Schmied mit der Flex nach dem Schmieden ohnehin macht. Sowas tolles! Feine Lochung. Meine Faure die aus alten Zeiten bei mir noch kartonweise stehen werden jetzt wohl Rost ansetzen… das Bessere ist des Guten Feind, so ist es richtig, und so muss es auch bleiben.

Befestigt habe ich sie mit 4 Nägeln je Eisen weil sie so feine Hufchen hat, und natürlich hat es die volle Beschlagperiode, d.h. genau 6 Wochen und 581km gehalten, und auf dem ganzen Tragbereich zeigte sich hinterher ein tadelloser Hufmechanismus. Wenn man in einer Beschlagperiode 800 oder mehr km geht – 13 Jahre her dass meine Pferde sowas mal schafften, und wer sonst geht das? – dann muss man sich was anderes überlegen, oder sehr sehr gutes Geläuf haben, sonst sind diese Eisen zu fein. Aber was macht’s? Welchen Wert hat es ein Eisen, das als Rohling 3,- kostet, ein 2. Mal aufschlagen zu können, um sich dann irgendwie – oder auch nicht! – mit messerdünnen Eisen über eine 2. Beschlagperiode zu retten? Und wer sieht sich die Innenseiten eines solchen Eisens nach dem Abnehmen genau an? Eingearbeitet, Hufmechanismus blockiert, der Zwanghuf winkt schon, und Trachten sind wahrscheinlich auch keine mehr da!

Umbeschlagen macht mit diesen Eisen nur Sinn wenn man sehr, sehr wenig reitet. Als Reserveeisen für den Notfall taugt es wohl noch wenn man es abnimmt, aber für kaum mehr.

Welche Größe? 0/0 vorne/hinten, also mit „feine Hufchen“ meine ich nicht winzig, sondern durchaus wohlproportioniert. Keine „Zierhufchen“ wie sie manche Araber haben, und wozu der Araber vielleicht sogar neigt wenn er dauerhaft beschlagen ist…

Und warum hab ich sie jetzt beschlagen? Weil die Swiss Horse Boots zunehmend verlorengingen bei Ritten. Wahrscheinlich weiten sie sich ein bisschen im Gebrauch. Will aber nichts schlechtes gegen sie sagen, sind Super Hufschuhe : kann eine tolle Lösung sein für die Übergangssaison oder den nicht ganz harten Gebrauch. Zweitens, und vielleicht wichtiger, hab ich sie beschlagen, weil ich feststellte dass sie sich doch etwas schief abläuft vorne (innen stärker) und die Vorderhufe in der Tendenz zu flach werden (48-49° Zehenwinkel). Da bekomme ich leider Angst um die Beugesehnen. Die Zehenlänge ist mit 8,5-9cm durchaus okay, es sind sehr wohl auch ansehnliche Trachten vorhanden, im Unterschied zu vielen Arabern. Wenn ich nicht so skrupulös, und ihr Gang nicht so überzeugend wäre, hätte ich sie schon längst auf 53° korrigiert. Vor 10 Jahren hätte ich das bestimmt gemacht. Aber irgendwie scheinen diese etwas flacheren-als ideal- Hufe für sie richtig zu sein. Hat vielleicht auch mit ihrem flachen raumgreifenden Trab zu tun, bei dem die Trachten nunmal zuerst landen. Heisst auch: Bei diesem Pferd sind die Trachten ruckzuck weg, wenn man gedankenlos beschlagen lässt oder auch ebenso barhuf reitet, und dann ist es zum Krüppel nicht mehr weit! Mit dem Beschlag habe ich sie jetzt ganz leicht steiler gestellt, auf 50°. Nach 6 Wochen Beschlag waren es wieder 49°, und dann, nachgewachsen, war genug Horn da sie auf 50-51° zu stellen. Und jetzt bin ich gespannt was sie sich unbeschlagen „anläuft“, und lasse sie nicht kilometerweise ihren Marschtrab gehen, sondern galoppiere auch viel, was sie ebensogut kann. Der langen Rede kurzer Sinn= flacher werden die Hufe immer von alleine — steiler unter normalen Umständen nicht…

Es gefiel mir dass sie mit Beschlag nun nicht anfing die Hufe aufzuknallen sondern weiterhin ein bißchen gelenkschonend läuft, wenn auch nicht fühlig (vorher auch nicht). Hab das Zehenteil auch etwas zurückgerichtet dass sie das Eisen unter dem Hufbein etwas fühlen kann. Mit vielen Pferden kann man das nicht machen, da bringt man besser eine Zehenabrundung an. Die schlage ich nur in die vordere Abrollkante hinein, lasse also die Innenseite glatt. Früher hab ich gewaltige Zehenrichtungen angeschmiedet, über diese Phase bin ich auch hinweg…

Wenn ich höre dass Pferde nach dem Beschlagen nicht gleich „rund“ gehen, sträuben sich mir  die Haare bei so einem Verständnis vom Schmiedehandwerk. Mein alter Schmied, Meister Guckes aus Glashütten, von dem ich viel gelernt habe, hat bei solchen Sätzen vor 30 Jahren immer den Kopf geschüttelt; das war ein höflicher vorsichtiger Mann der nicht leicht widersprach, und sein Handwerk im Krieg gelernt hat. Was mich an ihm stets am meisten beeindruckt hat war seine unerschöpfliche Geduld mit Pferden. Und er war körperlich keineswegs ein Mann dem man diesen Beruf ansah… was mir zeigte dass Grips für einen Hufschmied doch wichtiger sind als Muskeln. Denn um das Eisen zu formen beherrscht man schliesslich das Feuer…

Sie hat übrigens kaum Theater gemacht beim Beschlagen. Ein bisschen Angst hatte sie beim brennen. Pferde spüren wenn ihnen das Horn weggebrutzelt wird, und der Gestank von verbranntem Gewebe lässt wohl jedes Tier das nicht schon total abgestumpft ist instinktiv zurückschrecken; dafür muss man Verständnis haben. Ich gehöre auch nicht zu den Schmieden die bei gesunden Hufen das Brennen ängstlich vermeiden, bloß geringhalten sollte man es… Aber ihre Angst hielt sich im Rahmen, und eigentlich hat sie sich profihaft und vertrauensvoll verhalten. Andrea hat sie nur ein paarmal liebevoll ablenken müssen und meinte, sie hat wohl aus der Box schon oft zugeguckt wie andere Pferde beschlagen wurden. Pferde sind ja auch nicht blöd, und Araber schon gar nicht… Natascha stand daneben und hat auf sie aufgepasst, und anschließend habe ich ihr auch noch einen Satz Eisen verpasst, allerdings nur vorn…

Wie anfangs gesagt, nach genau 6 Wochen musste der Beschlag runter. Die Hufe waren riesig gewachsen. Jetzt geht sie wieder barfuß, und das könnte von mir aus noch 4 Wochen oder so bleiben…