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Gute Vorsätze zum neuen Jahr?

Montag, Januar 7th, 2013

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Zum Jahreswechsel zieht man ja gern Zwischenbilanz und macht Pläne fürs neue Jahr.

Ich lese gerade das Buch „Illusion Pferdeostheopathie – Von ausgerenkten Wirbeln und anderen Märchen“. Trotz des knackigen Titels ist der größte Teil des Buchs sehr sachlich, informativ und lesenswert. Nicht nur weiß ich jetzt, warum ich mit meinem Pferd noch nie bei einem Knocheneinrenker war. Viel wichtiger, ich finde in diesem Buch Regeln beschrieben, nach denen ich, ohne sie so zu benennen, eigentlich schon jahrelang mein gesamtes Reiten ausrichte. Im Zentrum steht, alles zu vermeiden was die Tragekräfte des Pferdes überlastet. Was bei einem jungen Pferd (und Reiter mit über 80kg, wie mir) natürlich besonders wichtig ist.

Khorsheet sagt mir auf jedem Ausritt, wie sie geritten werden möchte. Gleich zu Anfang haben wir einen Berg hinaufzustiefeln: das macht sie mit langem Hals, gedehntem Rücken und tief untertretend aus der Hinterhand. Trotzdem bleiben immer irgendwelche Zweifel ob „man“ das Pferd wirklich so am langen Zügel reiten kann, gleichwohl mit gespürter Verbindung zum Pferdemaul, wo sie sich doch perfekt und geschmeidig bewegt. Eine ganze Industrie an Reitlehrern verdient daran, unschuldigen Freizeitreitern zu verkaufen dass sie ihre Pferde „mehr auf der Hinterhand“ reiten müssen. Hier zeigt nun die Autorin und Physiotherapeutin Tanja Richter, dass genau das die Pferde in die Trageerschöpfung treibt, was dann wiederum die Vorhand ruiniert. Dass man nicht wenig reiten soll, sondern oft (3-5x die Woche).Dass Pferde auch mit nicht maßgerfertigten Sätteln ohne Schaden geritten werden können. Ich wusste das eigentlich ja schon immer, aber man traut sich ja kaum noch, es auszusprechen.

Die Wichtigkeit, das Reiten als zwanglose Gymnastik zu betreiben. Anstatt ständigen Trabens, die kurzen „Galöppchen“ (eigentlich mehr Canter am langen Zügel) die ich so liebe – und Khorsheet. Gerade gestern hatten wir wieder so einen harmonischen Ausritt. Khorsheet bewegte sich überaus geschickt trotz der überall rutschigen, schmierigen Böden. „Hör mit den blöden Zügeln auf, ich hab meine Füße am Boden, nicht Du. Ich kann schon noch bremsen wenn’s zu glatt wird“ signalisiert sie mir dann. Und das gelingt ihr auch ohne größere Aktionen.

Am 2.1. hatten wir einen Ritt wo sie auf allen 4 Hufen und mit langem Hals einen filmreifen 45°-Rutschhang fünf Meter herunter glitt weil der Wanderweg ins Dombachtal voller Holz lag. Hinter uns drei andere Reiter, noch unschlüssig. „Lass mich machen, ich kann das schon!“ Meine Hilfen beschränkten sich aufs Ruhigsitzen im gemeinsamen Schwerpunkt. Dieses „Pony“ verblüfft mich immer wieder – in Situationen, wo man als Reiter ganz schnell sein Pferd „overrult“, nicht hinhört auf seine Vorschläge. Stichwort Motorische Kompetenz. Ein matschiger Winter ist ideal um mit seinem Pferd daran zu arbeiten. Was für den Reiter heisst: Lernen nicht festzuhalten, auf’s Pferd hören und vertrauen, im Gleichgewicht mit ihm bleiben (wenn bremsen nötig ist, dann mit Gewichtshilfen), anstatt ihm jeden Schritt vorzuschreiben. Kleine Schenkelhilfen, im genau passenden Moment gegeben. Nicht mit der Rücken- sondern der Bauchmuskulatur trägt den Reiter das Pferd (bei Tanja Richter genau erklärt nachzulesen) . Mit weichem Becken aber zugleich hoher Körperspannung sitzen, damit man nicht hinter oder vor die Bewegung kommt. Das ist ganz schön anstrengend obwohl man km-mäßig nicht viel schafft. Das sind Ritte, nach denen man sich nach einem heißen Bad sehnt, auch wenn es nicht kalt war, und obwohl man doch körperlich „gar nichts gemacht“ hat.

Was sind denn als Reiter meine eigenen Fitness-Ziele in diesem Jahr?

Will ich ein unfitter Reiter auf einem sportlichen Pferd sein?

Wären 10kg weniger nicht besser als der Maßsattel?