Archive for Mai, 2013

Die Augenwischerei mit der „Rettung der Griechen“ und der Steuergerechtigkeit

Samstag, Mai 25th, 2013

In der Zeit von Karl Marx wurden in den Fabriken schuftende Arbeiter von Kapitalisten ausgebeutet, die in dicken Villen lebten. Das regte verständlicherweise einige ziemlich auf.

Der heutige Bankenkapitalismus arbeitet unsichtbarer, aber effektiver. Er beutet das ganze Volk und selbst künftige Generationen aus, für die Gewinne von heute. Selbige werden nicht versteuert sondern auf den Cayman-Inseln an die Anteilseigner ausgezahlt. Falls es bei dem Roulette-Spiel genannt Börse jedoch zu Verlusten kommt, also ziemlich regelmäßig, trägt sie das Deutsche Volk, das sich einreden lässt, es ginge um die „Rettung“ von Griechenland, Zypern oder Portugal, und nicht dem Wohle derjenigen, die windige Schuldscheine gekauft haben von denen sie genau wussten dass der Schuldner sie nicht bezahlen kann, aber der Staat schon für sie einspringen würde. Will heissen: Wir alle, mit dem Geld das unsere Kinder erst verdienen müssen.

Um das Volk Glauben zu machen, der Staat tue etwas gegen Steuerhinterziehung, fahndet er öffentlichkeitswirksam gegen schwarzarbeitende Handwerksmeister, die in ihren besseren Tagen ein bißchen Geld am Fiskus vorbei in die Schweiz oder nach Österreich geschafft, und damit nur getan haben, was die Politiker in ihren Sonntagsreden uns immer empfahlen, nämlich für den eigenen Ruhestand vorzusorgen. Etwas, das steuerzahlende Normalverdiener gar nicht  konnten, und heute noch weniger können…

Mir schuldet Griechenland nichts, ich war noch nicht mal dort im Urlaub. Mir fällt kein Grund ein, warum wegen mir ein Grieche weniger Rente bekommen sollte. Und noch weniger sehe ich ein, warum ich in 30 Jahren weniger Rente bekommen sollte.

Was ist die Lösung dieses Problems? Politker müssen aufhören zu glauben dass sie die Banken retten müssen. Der Kapitalismus vermag sowas selbst zu regeln und hat das in der Vergangenheit selbst geregelt, durch Gesundschrumpfen des entsprechenden Sektors. Banken waren ursprünglich mal dafür da, sinnvolle Vorhaben zu finanzieren, also Häuslebauern oder der mittelständischen Wirtschaft Kredite zu geben. Damit hätten sie auch heute noch genug zu tun.

Die parasitäre Wirtschaft

Dienstag, Mai 14th, 2013

Für Karl Marx war das wesentlichste Element kapitalistischer Wirtschaft die Produktion eines Mehrwertes der eingesetzten Produktionsmittel: Kapital (zu Marxens Zeit und bis etwa 1970 im wesentlichen Maschinen und Fabriken) und Arbeit. Der erfolgreiche Kapitalist verprasste keineswegs seinen erwirtschafteten Gewinn, sondern kaufte davon neue, bessere und mehr Maschinen, um damit günstiger und mehr produzieren zu können. Ansonsten lebte er zwar standesgemäß, aber auch sparsam und bescheiden. Wer seinen Gewinn nur verprasste – genau dass dies nicht geschah begründete einst den Siegeszug des Kapitalismus – wurde bald aus dem Markt gedrängt oder von der Konkurrenz geschluckt. Dasselbe passierte mit Produzenten die sich nicht der Zeit anpassten, mit immer denselben Produktionsmethoden wirtschafteten statt sie in Zyklen zu erneuern, oder der Annahme nachhingen, der Markt würde ihnen die Produkte immer abnehmen wie ehedem. Ganze Landstriche die im 19. Jahrhundert blühende Kleinindustrie-Regionen waren, sind auf diese Weise deindustrialisiert worden und haben sich zum Teil davon bis zum heutigen Tag nicht wirtschaftlich erholt. Dasselbe war nach 1990 in den Anschlussgebieten der Ex-DDR der Fall, und ist auch dort nicht zu erwarten.

Der klassische Kapitalist legte seinen Gewinn also niemals in Aktien oder Rentenpapieren an, erst recht nicht in spekulativen „Finanzinnovationen“, sondern steckte ihn immer in den Betrieb. Wenn er seine Arbeiter ausbeutete, dann aus Not um mit der Konkurrenz zu bestehen und zum Erhalt des Betriebs, und nicht aus primären Eigennutz. Wenn heute von Arbeitgeberseite argumentiert wird, dass die Löhne in Deutschland für konkurrenzfähige Produktion zu hoch seien, dann gab es diese Argumente schon immer. Bloss stand die Konkurrenz damals nicht in China sondern an der Ruhr, und es war schon immer ein Argument der Verlierer von morgen.

Damals wurde in erster Linie Kohle und Stahl produziert. Hauptabnehmer war die Waffenindustrie. Dies hatte den Nachteil, dass die Industrie Interesse daran hatte, alle paar Jahre Kriege zu führen, um die Waffen zu verbrauchen, nach dem Krieg neue Infrastruktur, Häuser und Fabriken aufzubauen, und wieder neue Waffen zu kaufen. Heute geht derselbe Anteil des Staatsbudgets nicht mehr den Waffenproduzenten sondern an die Banken (Schuldentilgung, Umfinanzierung, Neukredite), womit der entsprechende Teil der Industrie entbehrlich wurde. Einen Neuaufbau der Infrastruktur, wie nach dem verlorenen Weltkrieg 1945, könnte sich Deutschland heute wegen abgebauter, d.h. kannibalisierter Grundstoff- (s.g. Primär-) industrien, aber auch finanziell nicht mehr leisten, es reicht ja mal zu deren Erhaltung, weil soviel Geld für den Schuldendienst benötigt wird, dass die Notenpressen schon Tag und Nach rattern und der Tag nicht mehr fern ist da der EZB- Leitzins negativ wird, sprich man den Großbanken das Geld schon schenken muss damit sie welches nehmen. Gleichzeitig findet Neuaufbau nur noch in prestigeträchtigen Großprojekten (s.g. „Leuchtturm-Projekte“) statt, und die Infrastruktur in Deutschlands Peripherie zerfällt zusehends von Jahrzehnt zu Jahrzehnt. Eine Beobachtung die man zuletzt in den letzten 2 Jahrzehnten der DDR (also bis 1990) machen konnte. Dann kam der jämmerliche Zusammenbruch. Es ist aber nicht zu sehen dass Deutschland, wie seinerzeit die DDR, von irgendwem übernommen werden kann. Wir können nicht Teil von China werden. Die fleissigen Chinesen würden sich bedanken, so faule Säcke eingemeindet zu bekommen, wie es, rein von der Statistik der sozialabgabepflichtig, d.h. produktiv Beschäftigten her gesehen, die Bevölkerung hierzulande zu einem großen Teil geworden ist.

Da der Kapitalismus nicht mehr der toten Leiber der Soldaten als Rollbahnen für seine Panzer und Flugzeuge bedarf, da er den Stahl zum Bau von Autos anstatt Kanonen verwenden kann (dank vieler wohlhabender Rentner, die verglichen mit den Berufspendlern kaum ein neues Auto bräuchten, und der Leasinggesellschaften gibt es auch heute noch einige Neuwagenkäufer), da es staatsfinanzierte Renten- und Krankenversicherung gibt, da (zumindest in Deutschland) der Unternehmer durch ein von den Gewerkschaften geschaffenen Tarifsystems zur Zahlung menschenwürdiger Löhne gezwungen ist, hat der klassische Kapitalismus sein böses Gesicht verloren und ist gesamtgesellschaftlich akzeptiert. Im Gegenteil, heutzutage steht eher zu beklagen dass es den „Kapitalisten alten Typs“ kaum mehr gibt! Dieser Kapitalist war ja kein Sklavenhalter, sondern eher aufgeklärter Paternalist. Er behandelte „seine“ Arbeiter (solange sie loyal waren) immer gut. Ihn kümmerte ihr Elend, das er durch Werkseinrichtungen, billige Wohnungen, Bildungseinrichtungen, Stiftungen zu lindern suchte – man vergesse nicht: viele Arbeiter kamen aus Auswanderungsgebieten der finstersten Provinzen Deutschlands (so wie heute der Türkei und anderer Staaten) von woher sie aus noch ärgerem Elend flohen, waren Wirtschaftsflüchtlinge, und konnten kaum lesen und schreiben, geschweige denn hochdeutsch. Türkendeutsch als vereinfachte Strassensprache gab es ja noch nicht. Der Kapitalist war nicht allein frommer Kirchgänger, das sind viele Konservative heute immer noch, sondern wusste Gottes Gebot, das bestimmte seinem Arbeiter seinen gerechten Lohn zu zahlen, sodass dieser nicht allein sich selbst, sondern noch seine Familie ernähren kann, ohne „Aufstockung“ vom Arbeitsamt, was heutzutage bezahlt wird als Abgabe nicht von den Gewinnen, sondern den Gehältern derer die menschenwürdig bezahlte Arbeit besitzen, für diejenigen denen ihre Arbeitgeber solche Bezahlung verwehren. Den Arbeitgeber von heute kümmern all diese Dinge nicht mehr die Bohne, besonders schlimm sind diejenigen die ihre Dienstleistungen im sozialen (und kirchlichen) Umfeld erbringen.

Im 19. Jahrhundert kam die Zuwanderung zu den Industrieregionen zu Fuß, da sich der einfache Landmann keine Fahrt mit der Postkutsche leisten konnte,  man für jeden Grenzübertritt über die Kleinstaaten Pässe brauchte, die er nicht bekam, und die Beamten unbestechlich waren. Heute kommt die Zuwanderung zu unserem Sozialstaat per Bus und Flugzeug, und eine ganze Dienstleistungsbranche von Schleppern besorgen Transport und Grenzübertritte. Das hat den Zuwanderungsradius erheblich erweitert: anstatt 300km ist er nun weltweit groß. Im 19. Jahrhundert machten Arbeiter den neu zugewanderten den Mindestlohn auf handgreifliche Art deutlich. Wer den unterbot, bekam das nötige Klassenbewusstsein mit einer Tracht Prügel eingebläut. Heutzutage gibt es keinen Mindestlohn, und eine mit den Menschenhändlern liierte „Industrie“ lebt vom Lohn- und Sozialleistungsdumping: die Zeitarbeitsbranche. Wie es damals keinen Sinn machte, auf die Zuwanderer aus Deutsch-Sibirien zu schimpfen (Regionen wie der Hessenprovinz, Schlesien, Oberpfalz, Pommern), macht es heute keinen Sinn auf die Migranten zu schimpfen, bloss weil sie ein vorhandenes Angebot nutzen – zumindest auf jene die assimilationswillig sind. Aber nicht, was am Bodensatz passiert, bestimmt das Wesen der Gesellschaft. Wer nur den Bodensatz sehen kann, wohl weil er von diesem selbst nicht weit entfernt, kann nicht erhellendes über Zusammenhänge und Ursachen der Krisen beitragen, wozu der Überblick von weiter oben erforderlich ist. Sozialleistungsmissbrauch, Versicherungsbetrug, Schwarzarbeit, Krankmelden ohne Grund sind Delikte des „kleinen Mannes“ und haben nun mal zugenommen, weil eine mangelhafte Moral von oben vorgelebt wird. Eine Gesellschaft, das war zu Marxerns Zeiten so und auch noch heute, funktioniert von oben nach unten. Vom mittelständischen Betrieb gilt das bis zum Staatswesen. Der Fisch stinkt vom Kopfe her.

Der Kapitalist alten Typs hat heutzutage seine Fabriken verkauft, und ist konservativer Anleger geworden. Er hat die einzige Geldanlage gefunden die wirklich krisensicher ist: Grund und Boden. Und damit ist nicht die Doppelhaushälfte gemeint, die 60% der Deutschen leider nicht mal besitzt, zum Leidwesen der Altersvorsorge. Sondern Ländereien in der Größenordnung ab 300ha d.h. 3 Mio qm. Darauf pflanzt er Raps, Getreide – das kann er kostengünstig in Lohnarbeit erledigen lassen und braucht dann nicht mal einen Traktor. Neuerdings beliebt sind auch Solaranlagen oder Windräder. Allesamt vom Steuerzahler, d.h. Durchschnittsarbeitnehmer, hochsubventionierte Produkte, teils sogar mit „grünem“ Image. Vielleicht noch ein bisschen Pferdezucht auf maximal 10% der Fläche, damit die Aussicht nicht immer so monoton ist. Die Grundeinsatz beträgt 6 Mio Euro, in manchen Regionen Deutschlands geht es noch ein bisschen billiger. Besonders interessant ist dafür natürlich (EU) Osteuropa — deswegen (und um dahin VW zu verkaufen) haben wir die EU nach Osteuropa ausgeweitet (der Zuzug billiger Arbeitsimmigranten ist nur ein angenehmer Nebeneffekt). Damit lässt sich mit etwas Geschick nach Steuern eine Marktrendite von 1%, d.h. 60.000,- p.a. erwirtschaften, zzgl. direkter Subventionszahlungen. Soviel bringt heute kein Sparbuch mehr. Davon kann eine Familie ganz komfortabel leben. Diese 6 Mio muss man allerdings erst mal haben, das ist das kleine Problem daran. Und das ganze funktioniert weder mit 30ha, noch wenn man dazu einen Kredit aufnehmen muss. Ab 75ha lockt immerhin die eigene Jagd. Wirklich interessant wird es natürlich ab 1000 ha. Unsere Bauernfunktionäre denken und leben in dieser Klasse. Merke: Der Großanleger, der in Generationen denkt, braucht nicht gierig auf die Rendite zu schielen. Nur der Möchtegern-Neureiche oder Jungliberale starren auf den DAX wie das Kaninchen auf die Schlange. Er hat allerdings ein hohes Interesse daran, dass weiterhin viel Geld aus dem Subventionssäckel fliesst, und genau deswegen haben wir in Deutschland dies Subventionsunwesen!

Wie der Vampir den Knoblauch oder der Kleinspekulant den nächsten Börsencrash fürchtet, so ist dem superreichen Großgrundbesitzer die Vermögenssteuer zuwider, die ihm die Rendite wegfressen könnte. Aber er ist intelligent genug, nicht offen dagegen einzutreten. Das überlässt er den institutionalisierten Bauern-Schauspielern und denen, die Angst um ihr kleines Aktiendepot, oder Häuschen haben, das ihnen ja bekanntlich die SPD wegnehmen will (wegen dieser Verlust-Paranoia wählten unterbelichtete Provinzlandstriche wie in Hessen und Thüringen 1933 geschlossen Hitler – nicht weil sie allesamt gegen die Juden waren, wovon es auf dem Land fast keine gab). Großagrarier bekommen ein Vielfaches von dem, was sie ggf. an Steuern zahlen, wenn sie überhaupt etwas zahlen außer Mehrwertsteuer, mitgerechnet horrende Steuerberater- und Fachjuristenhonorare, durch Subventionen wieder herein. Sie haben es daher nicht wirklich nötig, ihr Geld in Steueroasen anzulegen, wie der schwarzarbeitende Handwerksmeister, der doch nur das macht, was die Politik an anderer Stelle immer wieder verlangt, nämlich private Vorsorge fürs Alter. Es ist reine Augenwäscherei, wenn CDU-Politiker diese Schwarzgeldhinterzieher als „Reiche“ bezeichnet, die auch ihren „finanziellen Beitrag für Deutschland erbringen müssen“ (Schäuble). Das sind gegen die wirklich Reichen, die bei uns das Sagen haben und die man niemals wird juristisch belangen kann, weil sie gegen keine Gesetze verstossen, noch kleine Krauter.

Der Vermögensanteil der Superreichen an der Gesamtgesellschaft hat sich in den vergangenen 20 Jahren (Regierung Kohl – Schröder – Merkel) übrigens vervielfacht, weil jeder dieser Regierungen die Ziele dieser Klasse gefördert hat anstatt sie zu schröpfen. Gleichzeitig, und das ist der Skandal daran, ist das arme Drittel noch ärmer geworden – ausgesaugt von einer parasitären Wirtschaft. Umverteilung von unten nach ganz oben hat stattgefunden, als Massenerscheinung, und für jeden ersichtlich der Augen hat im Kopfe, und die Entwicklung einfacher Landhäuser oder alten Stadtvillen zu stacheldrahtumzäunten, bürgerkriegssicheren Festungen ohne Briefkastenschild in Menge beobachtet hat. Wenn morgen das Wirtschaftssystem zusammenbrechen würde – und es wird zusammenbrechen, es ist lediglich eine Frage der Zeit – die hinter den hohen, kameragesicherten Zaunhecken lebenden Leute werden überleben, während alle diejenigen, die Kredite nicht mehr abbezahlen können, mit einer Art russischen Mafia zu tun bekommen werden. Aus Gründen der ultima ratio sind diejenigen hinter den hohen Zäunen noch Waffenbesitzer, denn im Unterschied zu den USA ist bei uns auch das Waffen- noch ein Klassenrecht.

Das Denken in Generations- und Grundbesitz-Kategorien ist allerdings nicht klassengebunden. Auch in der hintersten Provinz schaut der lokal gut vernetze Gelegenheits- und Schwarzarbeiter oder Rentier, der Fleischer gelernt hat, in seinem ererbten oder abbezahlten, zur Hälfte vermieteten 300 qm Haus mit Verachtung auf den promovierten IT-Spezialisten mit Bruttoeinkommen von 80.000,-, in der DHH nebenan auf handtuchgroßem Grundstück, der so blöd ist jeden Morgen zur Arbeit zu fahren, um diesen „Traum vom Leben im Grünen“ abzubezahlen, erst nach Sonnenuntergang zurückkehrt und beides weggepfändet bekommt spätestens 12 Monate nach dauerhaftem Jobverlust, d.h. beim Fall in Hartz-IV. In manchen Peripheriedörfen bilden die Arbeitspendler die Minderheit, der Rest hat einkommenssteuerpflichtige Arbeit schon nicht nicht mehr nötig. Und da gibt es eine Politik, die diesem Proletariat neuen Typs, ohne Interessenvertretung, und schon jetzt im Würgegriff der Banken, da man ja neben dem Häuschen noch den schnellen Flitzer und die Fernreisen finanzieren zu müssen meint, als s.g. „Besserverdiener“ abschröpfen will. Wo solches Denken den täglichen Umgang bestimmt, wie kann da Gemeinsinn erwartet werden, Kümmern um den Nächsten? Wenn diese grundlegenden Dinge fehlen, und an grundlegender Anerkennung und Gemeinschaftsgefühl, wo nicht mal der Wunsch besteht zu einer Volksgemeinschaft zu werden, wie kann da Eintreten für politische Fragen erwartet werden? Für wen, wenn nur noch das Ich zählt?

Wer hat den Kapitalisten alten Typs abgelöst? Wohin fliesst heute das Geld, dass sich durch die Geldpolitik mit billigen Zinsen und der Euro-Notendruckpresse immens vermehrt hat – nur nicht bei denen die es am nötigsten haben, nämlich dem immer grösser werdenden Prekariat ? Die Antwort lautet: Die weltweit agierenden Banken, die es gar nicht mehr nötig haben, Güter irgendeiner Art zu produzieren. Die trotzdem so mit dem Staatssystem vernetzt sind, über kurz- und mittelfristige Finanzierungen aller Art, samt Feuerwehrfahrzeug der Gemeinde und Fäkalienreinigung des Abwassers, in einer fatalen Verquickung über ein Abhängigkeitssystem von Schulden angeblich im Namen des Staates, sodass die Politik glaubt, auf dieses Bankensystem nicht mehr verzichten zu können, statt einfach die marodesten von ihnen einfach mal pleite gehen zu lassen. Auch dies Bankensystem ist meilenweit entfernt vom „ehrlichen Bankier“ des 19. Jh. der sein Geld noch, nach gehöriger Wirtschaftlichkeitsrechnung, die der kleine Bankangestellte immer noch lernt, aber sein Manager, der die Entscheidungen trifft, gar nicht lesen kann, an ihm persönlich bekannte Unternehmer oder Bauherren zur Finanzierung sinnvoller Vorhaben verliehen hat. An dessen Stelle windige „Investments“ und Investmentbanker getreten sind.

Ich nenne dies System parasitär, weil immer weniger Güter produziert werden, immer mehr auf Abbau, Ausblutung, Abzocke, Zwischenhandel und Subunternehmertum ausgerichtet ist. Erstens wurde die produzierende Wirtschaft soweit abgebaut (d.h. finanziell kannibalisiert), sodass noch nicht einmal mehr Panzer und Kanonen gekauft werden könnten, geschweige denn volkswirtschaftlich weit sinnvollere Güter. Besonders extrem äussert sich das im Unvermögen zur Bewahrung der öffentlichen Infrastruktur (Bibliotheken, Schwimmbäder, Landstraßen, Kanalsystem u.v.m.). Stattdessen saugt das Wirtschaftssystem die finanziellen Ressourcen einer Mittelschicht auf, die sich diese in besseren Zeiten aufgebaut hat. Wer seine bezahlte Arbeit verliert und wo noch was zu holen ist, wird noch zur Scheinselbstständigkeit genötigt, an deren Ende die völlige Verschuldung steht. Aber anderen haben dann daran gut verdient und suchen sich neue Opfer zum abzocken. Am Endpunkt dieser Entwicklung steht die demographisch abzusehende Altersarmut von 90% der arbeitenden (und 100% der nichtarbeitenden) Bevölkerung und die Bulgarisierung Deutschlands. Auch diejenigen die am Abbau verdienen, wissen, dass am Ende nichts mehr übrig sein wird, aber bis dahin kann man ja nochmal Profit machen. Nutzniesser davon ist allein die Oberschicht: Diejenigen, die ihre Privatrente auf dem kleinen Landhaus in der Toskana oder auf Mallorca verzehren werden können (falls ihnen die Geldpolitik des billigen Geldes, niedrige Zinsen in Kombination mit Inflation die nicht noch wegfrisst) und die Superreichen. Nur für diese allerletzte Gruppe wird heutzutage wirklich Politik gemacht.

Das Politische Establishment, die im Bundestag vertretenen Parteien eint die vorbehaltslose Unterstützung dieses Systems, von der Kanzlerin bis zum „Retter der Banken“ Steinbrück und den ökokapitalistisch gewordenen Grünen. Einzig die Linke/PDS, Sammelbecken der Unzufriedenen, erheben vereinzelt die Stimme, aber es fehlt ihnen, Gysi vielleicht ausgenommen, der echte Durchblick, man verschreckt die Leistungsträger der Gesellschaft, das sind die diesen ganzen Unsinn finanzierenden, in Lohn und Brot stehenden Arbeitnehmer, durch idiotische Steuerpläne, und altlinke Rituale lassen keine wirkliche Systemkritik mehr aufkommen bzw. erwarten. Bei den anderen ist es noch schlimmer. Die Piraten sind ein i-pad-bewaffneter Kindergarten, unfähig sich in simpelsten Fragen festzulegen, und die ach so politisch-unkorrekten „Alternative(n) für Deutschland“ gebärden sich, als sei unser Hauptproblem die Gefahr des christlichen Abendlandes, demzufolge zu lösen durch die Steigerung der Kirchgänger, bzw. die Zahl derer, die den (gottlob nicht mehr bayrischen) Papst als geistliches Oberhaupt anerkennen. Und so ein Unsinn in einem säkularen Staat! An deren Basis verbreiten Hassparolen gegen muslimische Zuwanderer einen bräunlichen Geruch, der aber, wie immer am Ort seiner Entstehung, nicht wahr gehabt werden will. Was tun?, würde, wenn er noch lebte, Lenin jetzt fragen.

Grastälerpassage 2013

Freitag, Mai 3rd, 2013

Mittlerweile, d.h. in den letzten 19 Monaten  hat mich Khorsheet, ausweislich meines „Reitbuchs“ (Excel-Tabelle) und der gpsies-Tracks  3500km getragen. Es waren genau 208 Ritte, bzw. 413 Reitstunden. Dazu kommen noch mal 2600km als Handpferd, seit Juni 2011.

Wir hatten einen herrlichen Reitwinter, den besten seit sicher 10 Jahren. Der Schnee lag Monate in den höheren Lagen ab Rotem Kreuz. Man konnte bestens ohne Beschlag reiten, und meine Pferde wurden richtig fit. Ich machte Ritte zur Weißen Mauer, zum Altkönig, sogar zur Stierstädter Heide. Da war ich seit vielen Jahren nicht mehr. Am Ende des Winters lockte der Termin Grastälerpassage. Noch immer ist das bei mir so…. Das letzte Mal war ich dort vor 10 Jahren. Es war schön, alte Bekannte wiederzutreffen die ich solange nicht mehr gesehen hatte.

Nach bester Tradition fuhren wir bereits Freitag früh los, um Mittags da zu sein und noch einen kleinen Proberitt auf der Startstrecke zu nachen. Wir hatten die ersten Pferde im Camp. Der Ritt lief perfekt, obwohl es kalt und windig war. Wir ritten die volle Strecke, 81km. Die 20km-Schleife war anstrengend aber schön. Vom Geläuf her die beste Grastäler die ich je geritten bin (meine 7.).  Mein Pferdchen war am Anfang sehr nervös wegen der vielen anderen Pferde, lief lange mit rd. 170 Puls im Trab. Entscheidend war, dass sie auf mich hörte, ich mit ihr um gesittetes Trabtempo nicht kämpfen musste. Später, ab etwa km40, waren dann auch ein paar lustige Galöppchen auf den Wiesentälern drin. Ab km60 wurde sie hungrig. Aber sie wollte laufen bis zum Schluss. Unsere längsten Ritte vorher waren 55km gewesen. Wir begannen mit Tempo 4.5 und hatten am Ende 5.5, weil ich meinem Pferdchen immer wieder erlaubte in den Schrittpausen, in denen ich meist absass,  die Nase ins Gras zu stecken Am Ende waren wir 10 Stunden unterwegs, mit Pausen. Ich bin die Grastäler also schon vor 21 Jahren, mit dem kleinen Alex,  schneller geritten (in 5:59). Es reichte trotzdem für Platz 10. Für den ersten Distanzritt nicht schlecht.

Ich hatte die Swiss Horse Boots für vorne dabei und zog sie 2x auf, ritt mit ihnen von Stop 1 bis Stop 3, und dann noch ein Stück am Schluss. Auf der Alb gibt es immer diese spitzigen weißen Steinchen die sich in die weiße Linie setzen. Außer mir ritt wohl nur Bert Fichtel noch ohne Hufbeschlag.

Khorsheet hatte bereits 36 Stunden nach dem Ritt, am übernächsten Morgen zuhause, wieder ihr Normalgewicht erreicht, und ging als Handpferd 11km locker, lässig und mit Karacho. Das Pferdchen ist ein Phänomen.

Ansonsten hatte ich genug zu tun, zu erklären dass nach diesem Ritt man uns jetzt nicht regelmäßig sehen wird. Ich mag die Gesellschaft, brauche aber den Wettkampf nicht. Mir sind die schönen Ritte lieber. Das Tempo fand ich insgesamt zu hoch und die Leute ritten mir zuviel Schotter. Das war schon früher so. Doch heute mag ich dafür noch nicht einmal mehr beschlagen. Sie hat noch genug Huf für mindestens eine 4-Tages-Wandertour. Vielleicht am nächsten verlängerten Wochenende!

Vor der Siegerehrung: Jetzt bin ich müde!

Vor der Siegerehrung: Jetzt darf ich wohl einmal müde sein!