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Das beste Pferd

Freitag, März 13th, 2015
Khorsheet mit Valeria

Khorsheet mit Valeria

Mittlerweile habe ich Khorsheet fast 4 Jahre. Im letzten Jahr 7 Distanzritt-, 5 Wanderritt-, und 22 Urlaubsfahrt-Tage. In 2013 ähnlich viel. Seit über 10 Jahren war ich nicht mehr soviel unterwegs.

Auch im Alltag ist sie das beste Pferd und immerwährender Quell der Freude. Temperamentvoll und lustig, manchmal fast wie ein Junghengst verspielt, aber trotzdem ruhig. Lässt sich auch von unserer 9-jährigen Tochter bestens reiten. Sehr gute Balance. Raumgreifender Schritt, schwebendleichter Trab. Lässig im Canter, fliegende Galoppwechsel inklusive, sogar mit mir als Reiter im Sattel (aber nicht auf Kommando). Ein bißchen guckig und leicht abzulenken besonders auf gutbekannten Wegen. Aber in unbekanntem Gelände sehr cool und eine Lebensversicherung. Bei Schwierigkeiten und Hindernissen denkt sie mit. Mit ihrer Schläue, Vorsicht, und den kleinen scharfen Hufen das sicherste Pferd der Welt bei Schnee und Eis. Auf über 10.000 gerittenen KM, und nochmal 5.000km als Handpferd vielleicht 2-3 mal kleine Kratzer an den Beinen. Das hat beim Araber Seltenheitswert. Gelahmt hat sie noch nie.

Vor zwei Tagen ritt ich an ein paar Rollen Wildschutzdraht vorbei, die aufgewickelt am Rand des Waldwegs lagen. So etwas liebt sie gar nicht, guckte schon von weitem und machte einen Extra-Bogen. „Das ist SEHR gefährlich wenn Pferde da reintreten, weißt Du das?“ schien sie mir sagen zu wollen. Im Vogelsberg, 2012, trat Zarah in eingewachsenen Wildzaun, verfing sich gleichzeitig mit zwei Hufeisen drin und ging zu Boden. Sie selbst ein Schritt dahinter, trat in den gleichen Draht und riss sich ein Hufeisen ab, kam sofort frei. Wie immer, Glückspilz.

Auf unserem ersten Distanzritt, der Grastälerpassage 2013, bekam ich übrigens noch einen Tipp, wodurch mir für dieses Pferd das schier unmögliche gelang, was einer bekannten Pferdeanwältin vorher nicht gelungen war, nämlich 10 Jahre nach ihrem in-utero-Import noch volle Papiere zu erhalten. Und zwar nur, weil der „Exportvorgang“ der Mutterstute aufgrund des Konkurses eines US-Verbands unvollendet geblieben war, ich Khorsheets‘ Deckschein und einen Haufen anderer Schriftstücke hatte, und sich DNA-Karten von Mutter und Vater in den USA fanden. Natürlich kostete mich das nochmal eine ganze Stange Geld und einigen Schriftverkehr. Aber sie ist es wert. Sie ist ein wirklich gutes Pferd, das volle Papiere verdient, und es wäre schade wenn ihre Anlagen nicht erhalten blieben. Zumal die Linien in Deutschland selten sind.

Sie ist nett zu allen, geht gut vorwärts ohne zu rasen. Macht sich überall nur Freunde. Was für ein hübsches, nettes Pferd. Wie typvoll. Und ist dabei so ponyhaft. „Die gefällt mir total gut, weil sie nicht so einen hässlichen Kopf hat wie die anderen Araber“ (2014 über Khorsheet, von Anne, Ponyreiterin). Zu anderen Pferden ist sie super-freundlich; so ist einfach ihre Art. Damit hatte sie ja auch mich bezaubert: Ihrem naiv-freundlichen Wesen, wie bei einer Zweijährigen, die noch nie etwas schlimmes erlebt hat. — Doch, ich hab sie mir verdient, genauso wie sie ist. Denn sie darf bei mir genauso sein wie sie ist. Sie würde im übrigen an sich auch nicht herumerziehen lassen, darauf reagiert sie allergisch, und mit Recht…

Etwas das mich beeindruckt hat, geschah auf einem Mehrtagesritt im Herbst, 2. Tag, kurz vor dem ersten Stop, etwa nach 20km : Sie hatte beschlossen, es wäre Zeit richtig zu saufen bei der beginnenden Mittagswärme, eine sehr gute Idee. Die übrige Spitzengruppe, 5 Reiter, hielten nicht an, sondern ritten weiter; es war ja nicht mehr weit zum Stop. Khorsheet ließ sich nicht im mindesten abhalten den ganzen Eimer in aller Ruhe leer zu trinken. Und dann, im ruhigen Canter, den anderen Pferden nachzusetzen. Sie wusste genau: Ich krieg die wieder, auf der halben Arschbacke. 95% aller hochblütigen Pferde hätten hier einen Riesen-Stress gemacht: „Hilfe, ich werde alleingelassen!“

Drei Distanzritte bin ich mit ihr 2014 gegangen, alles Mehrtagesritte. Das war bewusst so entschieden, denn abgesehen davon dass das die wahren Distanzritte sind, wollte ich nicht dass sie sich angewöhnt immer gleich loszurasen. Am ersten Tag der Pfingst-Tour-West (einem schweren Ritt bei Trier) wollte sie am Anfang mit der Spitzengruppe mitrennen, war schon schweißgebadet, und ich hatte einige Mühe sie zu beruhigen, stieg dann irgendwann ab und führte ein paar KM. Der zweite Tag begann wie der erste, aber urplötzlich machte es bei ihr „Klick“, sie ließ die anderen gehen, wurde langsamer und canterte ruhig am langen Zügel hinterher, als dächte sie: „Ach, das sind ja wieder nur die ganz Schnellen, mit denen muss ich ja gar nicht laufen!“ – Das ist der Lerneffekt den nur Mehrtagesritte bieten! Besitzer von Durchschnittspferden, die über jede Fremdmotivation froh sind, können sich gar nicht vorstellen wie lästig dieses Problem werden kann.

Auf unseren Wanderfahrten, wo wir mit Zugfahrzeug und Hänger unterwegs sind, und Tagestouren machen, geht sie auch sehr schön, und ist im Lager ein perfekt ruhiges, zufriedenes und anhängliches Pferdchen, genau wie früher meine Ligeira. Auch da hatte ich ein Schlüsselerlebnis, auf unserer ersten Alleinfahrt in den Pfälzerwald (Oktober 2012). Auf der Hinfahrt stand sie noch vor lauter Aufregung nassgeschwitzt im Hänger. Wir verlegten das Lager in 5 Tagen dreimal, jedes mal ein kurzes Stück fahrend, am Ende schwitzte sie im Hänger dann nicht mehr. – Und am letzten Morgen standen wir auf einer kleinen Wiese vor einem alten denkmalgeschützten Hof, wo die Landwirtschaft längst aufgegeben war. Der Besitzer zeigte mir seinen 60 Jahre alten Citroen, und wollte sich zum Abschied noch mein Pferd angucken. Ich zeigte es ihm und erklärte ihm kurz Rasse, Reitweise usw., und mein Gastgeber, der mit Pferden überhaupt nichts zu tun hatte, war auch von ihrer handlichen Größe angetan. Khorsheet stand am langen Seil an einen alten Obstbaum gebunden, graste in unserer Nähe und schien zu merken dass über sie gesprochen wurde. Just in dem Moment kam eine Reitergruppe mit 4-5 Pferden dicht vorbeigeritten. Mein Gastgeber bemerkte: „Das ist auch etwas, was mir an diesem Pferd gefällt. Man kennt es doch, dass Pferde mitlaufen wollen wenn andere vorbei reiten. Ihre bleibt aber völlig ruhig stehen und frisst einfach weiter“.

Mich hatte die Szene sicher noch stärker beeindruckt, und das einzige was ich zur Antwort gab, war „Die weiß eben genau wo sie hingehört“