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Stimmt die Haltung?

Mittwoch, November 23rd, 2016

 

Der Weg des Reiters

Der Weg des Reiters

Wir halten die Pferde korrekt, oder artgerecht auf Wiese mit Offenstall, oder Box mit Weide. Beim Reiten achten wir auf gute Selbsthaltung, und dass der Kopf sich nicht hinter die Senkrechte aufrollt. Auch die Haltung des Reiters zu Pferd ist wichtig. Aufrecht wie vor dem Regiment. Oder als ob man einen Stock verschluckt hätte? Augen geradeaus, nicht zu Boden schauen, sonst stolpert das Pferd. Haltung bewahren. Reiten wir zum Spaß und zur Entspannung? Oder nehmen wir es bierernst mit unseren Zielen? Bewahren wir sportlich Ehrgeiz und Haltung? Oder wollen wir das Pferd nur gesund erhalten und deshalb zur höchsten Versammlung bewegen? Ist die eine Einstellung nicht so verkrampft wie die andere? Wie widersinnig, verbissen an Harmonie oder Légèreté arbeiten zu wollen…

Welche Haltung zum Pferd nehmen wir innerlich ein? Schauen wir noch achtsam hin, und sind fähig und offen um kleinste Veränderungen zu bemerken, oder wissen wir schon alles auswendig, und es gibt uns nichts neues mehr?

Beim Reiten oder im Umgang mit dem Pferd „ganz bei der Sache sein“, kann Unfälle und unangenehme Überraschungen vermeiden.

Kein Grübeln, warum etwas nicht geklappt hat. Der Sitz des Problem ist meist im Sattel. Kein „Hoffentlich falle ich nicht vom Pferd“ (Dein Gedanke könnte wahr werden). Der Sinn des Übens: Frei zu werden von Technik. Aus dem Bauch heraus entscheiden zu können. Wie ein japanischer Schwertkämpfer, der Schläge von 10 Gegnern gleichzeitig pariert. Voraussetzung dazu ist offener, unabgelenkter Geist und ruhiges Atmen. Denken ohne zu denken. Spüre das Zen und die Harmonie mit der Welt beim Ausmisten der Pferdebox. Oder Tao?

Das Pferd lebt ganz im Hier und Jetzt. Und wir? Keine Absichten verfolgen, sich selbst zurücknehmen. Heilige Stille in der Reitbahn, außer vielleicht, man ist allein und stört niemand durch Schnalzen oder sanftes Reden mit dem Pferd. Kein Smartphone, keine Zigarette, kein Kleinkind plus zwei Hunde an der anderen Hand im Stall. Nicht bevor alles getan ist. „Bin ich bei der Morgenarbeit nicht eins mit dem Pferd gewesen, unterschreibe ich an dem Tag kein wichtiges Dokument„, soll Dressurchampion und Konzernchef Neckermann einst gesagt haben. Wie recht er hatte. Und Nuno Oliveira: „Wer auf dem Pferd arbeitet, hat den Sinn des Reitens schon verloren„.