Archive for the ‘Pferde’ Category

Matschwinter

Dienstag, Januar 10th, 2012

Khorsheet mit Kandare und Kappzaum

1068km, davon 233 geritten. Jetzt bin ich sie schon dreimal alleine geritten, „die Kleine„, „mein Ponychen„.

Sie ist richtig abenteuerlustig, hat aber auch ihren eigenen Willen. Sonntag musste ich sie leider dreimal durch Pfützen reiten weil ihre Abneigung, um alles nasse herumzulaufen, langsam zu einer rutschigen Angelegenheit wird. Sie hat aber auch recht: alles ist nass, nass, nass. Über etwas Frost wäre ich langsam froh. Über Schnee sowieso.

Sie mit dem Bosalersatz zu reiten klappt wirklich gut. Sie lässt sich auch damit biegen und trägt den Kopf schon viel besser. Wenn sie zuviel am Strick gezupft bekommt kann sie schon mal genervt den Kopf zur Seite drehen, tut das aber wirklich selten. Eher schiesst im Galopp mal der Kopf hoch, so Trinker der Lüfte-mäßig, aber wirklich nur aus Übermut und Lebensfreude… ich zupfe sie nicht in Haltung, das geht mit Bosal auch gar nicht. Sie soll die zweckmässigste Haltung selbst herausfinden; ich geb ihr bloß Hinweise. Wo es vom Geläuf her geht, üben wir kurzen Galopp. Soweit sie den selber gehen will. Winter ist ja Schrittreitzeit. Der alte Abercrombie Triple-T, Ligeira’s früherer Wettkampfsattel, scheint ihr gut zu passen und ist eine geeignete Unterstützung zum präzisen Reiten. Soweit sind wir schon! Wie ich Susanne am Freitag auf dem Stammtisch schon sagte: Wir sind noch am Anfang, aber sie kann schon mehr als die meisten Pferde!

Ich rede viel mit ihr, und sie hört mir zu. Im Gelände hat sie schon richtig Spaß an fremden Wegen und richtig komplizierten Sachen mit umgefallenen Holz. Und denkt dabei so weit voraus dass man selber auch schon ganz fix mit dem Kopf sein muss damit sie einem die Entscheidungen nicht abnimmt. Kein Beamtenpferd!

Sonntag abend habe ich ihr probehalber die bewegliche Kandare ins Maul gelegt. Die langen Ösen des spanischen Zaums erlauben hier wunderbar noch das Unterlegbosal zusätzlich mit einzuschnallen um wie gehabt mit Neckreining/ indirektem Zügel zu reiten, wobei man anfangs die Kandarenzügel bloss lose mitnimmt. Sieht sehr gut aus am Pferd. Mal wieder zwischen allen „Stilen“, aber was soll’s, das Pferd ist wichtiger als solche Fragen. Ich habe daraufhin gestern die schönen alten Kandarenzügel aus der Asservatenkammer geholt und mit Liebe eingefettet. Die sind so dünn und haben so fragile Karabinerchen dass ich Natascha damit nie reiten mochte, weil die doch eine deutlich festere Anlehnung sucht, selbst auf Kandare. Eigentlich eine Kleinigkeit, und dann habe ich gemerkt, wieviel mir an ihnen liegt. Ich habe so ein Gefühl, meine Khorsheet könnte auch so ein wunderbares Pferdchen werden dass man am Seidenfaden reiten kann wie meine Ligeira…

Es wird Winter…

Mittwoch, Dezember 14th, 2011


Nun habe ich nur noch zwei Pferde: Natascha und meine Neue, „die Kleine“. Alex und Ligeira fehlen mir schrecklich. Jetzt ist Khorsheet diejenige die als erste an den Zaun kommt. Ich bin sie jetzt 25 mal geritten, letzte Woche sogar 1x alleine bis nach Treisberg (9km), und am Samstag sogar 12km am Stück: über den Mooshof, Meerpfuhl zum Landstein. Da gab es erstmals leicht gefrorene Wege bei denen sie aufpassen musste.

Als junger Reiter hat man den Vorteil, dass man ohne Erwartungen an ein junges Pferd herangeht. Aber wenn man wie ich schon mal ein richtig tolles Pferd gehabt hat, misst man alle späteren an diesen. Bewusst oder unbewusst. Vielleicht heisst es ja deswegen „Junge Pferde – Junge Reiter“. Alte Reiter haben den Kopf nicht frei, verlangen zuviel…

Andererseits: Man hat die Erfahrung, das junge Pferd überlegt an alle Sachen heranführen, vorsichtig und in kleinen Schritten. Man wird das viel besser machen als bei seinem ersten Pferd. Aber ob sie bloß „mitmachen“ oder richtig Geist entwickeln, das merkt man wenn es wirklich drauf ankommt. Wenn man Pech hat, stellt man erst nach 1-2 Jahren Arbeit fest dass man einen Aufgeber herangezogen hat, einen Quitter. Wenn es wirklich drauf ankommt, ist nämlich der Charakter entscheidend, und der ist nicht trainierbar. Rennpferdeleute nennen das den Willen zum Sieg. Natürlich geht es um mehr als den Sieg. Es ist etwas das „da ist“ oder „nicht da ist“…

Es geht um die Lust an der Bekämpfung von Schwierigkeiten. Für ein Wanderrittpferd, um den Blick auf die weite Strecke mit gespitzten Ohren, den Willen nach vorwärts, die Neugier was hinter der nächsten Kurve ist. Auch wenn vielleicht das Wetter ungemütlich ist, das letzte Quartier nur mässig war, oder einfach alles wehtut… Die positive Grundeinstellung! Die ist beim Pferd genauso wichtig wie beim Reiter. Vielleicht sogar noch mehr!

Ich fürchte mich davor die Neue mit Erwartungen zu überfrachten, sie an einer unmessbaren Latte zu messen. Ein Fehler den ich schon einmal mit Natascha gemacht habe. Ich bin zu ihr oft ungerecht gewesen: dieses große starke Pferd, ohne körperliche Fehler – Ligeira hatte viele davon – und dann kneift sie sobald es unbequem wird. So ein Drückeberger! Vielleicht muss man ein solches Pferd verkaufen, sobald man feststellt dass einen ein bestimmter Fehler stört. Bevor man ihm ein Stigma aufpresst. Vielleicht habe ich diesen Zeitpunkt bei Natascha verpasst. Aber ich bin nun mal jemand der sich nicht leichtfertig trennt. Auch nicht von Pferden.

Khorsheet hat, soweit ich das bisher feststellen kann, keine körperlichen Mängel. Sie ist recht kräftig für einen Araber, besonders in der Hinterhand. Ihre Hufe sind sogar unerwartet gut, hart wie Stahl! Aber sie erinnert mich, obwohl sie 5-7cm größer ist, ein bisschen an  Ligeira, auf die ich eigentlich immer Rücksicht nehmen musste, solange ich sie ritt. Vielleicht aber auch nur durch ihre ähnlich liebe Art. Körperlich ist sie Quasara sehr ähnlich. Auch die war so ein richtig runder, abgedrehter Typ, mit Bedacht laufend, Typ Kinderpferd. Und wenn es drauf ankam, schnell wie der Blitz… Während Natascha mich immer mühelos getragen hat, macht mir Khorsheet durch ihre Art wie sie mich trägt wieder bewusst dass ich eigentlich eine Zumutung für sie bin, als Reiter. Sie würde das wahrscheinlich mit jedem Reiter so machen, aber egal! Bis zum nächsten Frühjahr will ich wieder 12kg abnehmen, bis zu meinem „Kampfgewicht“ aus der Distanzritt-Ära.

Das hat etwas mit Ernsthaftigkeit zu tun, mit Professionalität, mit Anspruch an mein Tun. Wir betreiben ja nicht bloß ein Hobby. Wir verlangen von unseren Pferden echt eine Menge. Da dürfen wir es uns auch nicht selber bequem machen.

Klar, die physischen Grundlagen müssen stimmen, damit ein Pferd Leistung erbringen kann. Aber das entscheidende ist der Kopf (bzw. das Herz, wenn einem das lieber ist). Und an dieser Stelle bin ich mit Khorsheet bisher sehr zufrieden. Wenn sie etwas nicht tun will, dann hat sie ihre Gründe. Sie wird dabei nicht stur oder stockig, sondern zeigt es auf charmante Art (Araber halt..), um Verständnis werbend. Letzte Woche ging sie durch die angeschwollenen Weilfurten mit gespitzten Ohren: obwohl sie ein bisschen Schiss hatte vor dem vielen Wasser. Aber sie ging! (und am Anfang wollte sie durch gar kein Wasser gehen!)

Geradezu supercool ging sie auf dem Adventsritt von Henning und Josie. Das erste Mal in einer Gruppe, und gleich so als ob sie es schon 100x gemacht hat. So richtig selbstbewusst. Da lachte mir das Herz, denn es zeigte mir dass ich bisher alles richtig gemacht hab mit ihr. Und dann der Gruppengalopp: ich hatte echt Schiss dass sie mir abgeht — und dann bleibt sie in höchster Pace Kopf an Kopf mit Natascha ohne am Strick zu zerren, und wir überholen einen Reiter nach dem andern. Und am Schluss senkt sie den Kopf ins Gras: war irgendwas?! Ligeira war nie so cool sobald es ums Rennen ging, das war immer ihr schwacher Punkt…

Ich gehöre nicht zu denen die einem Pferd den Leistungswillen absprechen bloß weil sie ein hübsches (Araber-) Köpfchen haben. Dazu hab ich zuviele Pferde kennengelernt bei denen dies gängige Vorurteil nicht stimmte: Quasara, Dscherana (meine Lieblingspferde bei Uli), schließlich auch Zhara. Ein echtes Leistungspferd braucht vielleicht nicht unbedingt so auszusehen:

Ligeira, nach dem 8.(!) Biwak, Thüringen-Wanderritt 1996

Schon 750km als Handpferd!

Montag, November 14th, 2011

Vor mehr als 15 Jahren, damals noch aktiver Distanzreiter, hab ich begonnen ein Reitbuch als Excel-Tabelle zu führen über gerittene km, Strecken, Hufbeschlag, Fütterung, Weideumstellungen, Wurmkuren… überhaupt alle Einzelheiten rund ums Pferd die man so leicht vergisst — ohne  die man aber nicht auskommt, wenn es irgendwann mal gilt nach Fehlern zu suchen die man gemacht hat. Oder generell, unvermeidliche Fehler „so klein wie möglich“ zu halten…

In Zeiten wo ich wenig ritt, hab ich mein Reitbuch (das vor 30 Jahren einen Vorgänger in Papierform hatte) manchmal nicht akkurat gepflegt, in Zeiten mit hoher Arbeitsbelastung für die Pferde aber immer. In manchen Jahren gingen die Pferde 4.000km im Jahr, geritten oder als Handpferd. In diesem Artikel (den ich mal für Distanz Aktuell verfasst hab) steht mehr dazu.

Die „Neue“ hat jetzt, in rd. 5 Monaten, genau 750km absolviert, das meiste als Handpferd (geritten noch keine 100) . Wir haben damit, und zwar ohne wirkliches Bewusstsein von „Arbeit“ – meine Pferde haben zwar einen Job aber ich „arbeite“ sie nicht… – ganz spielerisch und kinderleicht, eine Grundfitness aufgebaut, für Muskulatur, Sehnen und Hufe. Auf diese werden wir nächstes Jahr weiter aufbauen können. Jetzt beginnt die Zeit wo man bei ganzjähriger Weidehaltung wie ich sie pflege die Arbeitsbelastung zweckmäßigerweise stark runterfährt, auch wenn man keine monatelange „Winterpause“ macht – wovon ich (nicht bloss weil man im Hohen Taunus bei Schnee so herrlich reiten kann) nie ein Freund war. Üblicherweise ist der November mein reitschwächster Monat, dieses Mal war er es nicht. Und auch für meine beiden alten Pferde war es nochmal ein herrlicher Herbst…

Hurra, sie geht!

Donnerstag, November 3rd, 2011

Gestern abend hatte ich wirklich zum ersten Mal das Gefühl sie zu „reiten“. Und das, nachdem sie mich am Sonntag bereits 7km herumgetragen hat, im Schritt, Trab und auch ein paar Sprüngen Galopp.

Aber gestern, da hat sie dabei zum ersten Mal wirklich auf meine Hilfen gewartet und reagiert. Ich überfalle sie ja nicht damit sondern biete sie nur an. Und auch nur wenn sie nicht negativ darauf reagiert. Ein bisschen Gewichts- ein bisschen Oberschenkelhilfen. Magst Du das, stört Dich das? Hier lege ich Dir rechts den schweren Zügel an den Hals, das bedeutet es geht gleich nach links. Mach mit dieser Vorankündigung was Du willst…!

Wir begannen wieder mit 6-7km Handpferderitt. Schon allein dabei ist sie viel feiner geworden. Ein fein reagierendes Handpferd, das wieder zieht noch sich zurückhängen lässt, das auf jede Bodenunebenheit aufmerksam reagiert, dass 100% hellwach und reaktionsschnell ist, über jeden Ast springt (aber nicht so dass es das Reitpferd aus dem Takt bringt) ist ein echtes Vergnügen. Das erlaubt, auch mal in rasantem Tempo da durchzukommen wo kaum einer glaubt dass das möglich ist. Auf so einen Spaß, zusammen mit einem anderen ehrgeizigen Pferd freut man sich doch, nach einem langweiligen Herbsttag auf der Koppel!

Auf gutes Handpferdereiten wird im allgemeinen so wenig Wert gelegt dass es noch nicht mal irgendwo beschrieben ist. Dabei ist es der Königsweg in der Geländereitpferdausbildung!

Das fängt schon mit passender Ausrüstung zum Handpferdereiten an, die es kaum zu kaufen gibt.

Stolz!

Ich war schon früher ein großer Freund von Pferdestricken aus Hanf aber im Laufe vieler Jahre gingen sie alle kaputt oder verloren. Jetzt zum Handpferdereiten hab ich mir ein 14mm Kernmantelseil (Segelschot) in der mir passenden Länge anfertigen lassen:  Etwas länger als ein Parelliseil, weil ich die Handpferde gern unabhängig laufen lasse. Schwerer als die typischen Nylonstricke, aber es schwingt immer noch zuviel im höheren Tempo. Man muss immer wieder Leine einholen, das führt zu Mißverständnissen mit dem Handpferd weil es denkt, es müsse näherkommen. Außerdem wird es nicht als begrenzende Hilfe wahrgenommen wenn ich es leicht gegen das Handpferd baumeln lasse, weil ich vielleicht möchte dass das Handpferd auf der anderen Seite um ein Hinderniss herumläuft anstatt sich gegen das Reitpferd zu quetschen.

Wieviel anders mit einem schweren /16mm Hanfstrick! Der bounct nicht, sondern hängt gleichmässig durch, und wird dadurch vom Handpferd gleich als „Einrahmung“ verstanden. Der fasst sich auch ganz anders an.

Bei meinem letzten Pferd das ich zugeritten hab, vor 15 Jahren,  hab ich zu spanischen Kappzäumen gegriffen, dem Pluvinel  das ich aber irgendwohin verlegt oder verliehen habe… und Natascha ist, oder war schon immer ein anderer Typ, wesensmässig.. die will gesagt bekommen wo es langgeht, während die Neue gar nicht solange abwartet, die fragt von sich aus… die ist so feinfühlig, ein Typ für ein Unterlegebosal und den angelegten Zügel am Hals. Dazu braucht man wieder das Hanfseil, das wie eine schwere Mecate wirkt und auch so geführt wird, d.h. beidhändig mit großem Abstand zwischen den Händen. So wie das der Pionier des Westernreitens in Europa, Jean-Claude Dysli, 1973 in seiner Serie über das Bosalreiten in der Freizeit im Sattel beschrieben hat, die man unter Freizeitreitern bis weit in die Neunziger, als dann alle plötzlich „barock“ reiten wollten, als Referenzbeitrag über pferdefreundliches Anreiten kannte… (muss sie mal suchen und einscannen, bis dahin Anleitung für Mecate-Knoten hier)

Das Unterlegebosal lege ich übrigens nicht extra zum reiten an, das wird zum Handpferdereiten mit eingeschnallt, der Karabinerhaken des Stricks kommt gleichtzeitig mit in den unteren Halfterring, wie oben auf dem Bild. Das verhindert dass das Bosal herumbaumelt und an der Nase scheuert. – Habe ich schon erwähnt dass auch gut passende, nicht scheuernde, richtig eingestellte Halfter zum Handpferdereiten nicht eben selbstverständlich sind?

Das Unterschnallbosal gibt es übrigens als Tie-down für Westernreitleistungssportler zu kaufen… Ein Originalbosal hängt bei mir immer noch am Haken – die Pferdehaar-Mecate ist  irgendwie weg, die war noch 10x sperriger und stachliger als der Hanfstrick. Für mich nicht praktisch genug. Und ein Lindel hängt da auch noch, da fand ich die seitliche Einschnallung der Zügel schon irgendwie immer physiologisch verkehrt…

„Ich mag kein Mundstück!“

Montag, Oktober 24th, 2011

 

Mittlerweile bin ich auf der Neuen 3x draufgesessen – „reiten“ möchte ich das noch nicht nennen…

Ich hab meinen alten Malibaud Randonneursattel wieder entstaubt. Es ist der einzige Sattel von dem Natascha keinen Gurtdruck bekommt, aber länger als 2 Std. kann man sie damit nicht reiten weil er in der Kammer etwas zu schmal ist. Mal gucken wie er der Neuen passt. Sie hat ja auch einen riesig breiten Rücken. Zudem ist er noch ziemlich kurz und muskulös. Neulich haben wir festgestellt dass die alten Ligeira-Decken (135cm) prima passen, mein „Achtsitzer“-Pony die für ihre Länge etwas kurze Beine hatte… Natascha die bestenfalls eine halbe Hand größer ist hat 155cm…

Ich hab eine spezielle Art meine Pferde im Gelände einzureiten, seit über 20 Jahren. Man braucht dazu ein älteres braves Reitpferd das auch sehr gut – fleissig, nicht faul! – als Handpferd geht. Und man muss das Jungpferd bereits zuverlässig als Handpferd geschult haben. Die Methode ist eigentlich ganz einfach und besteht darin, auf einer Strecke die das Jungferd bereits gut kennt, nach etwa 2/3 der Strecke, also bereits wieder auf dem Heimweg, einfach umzusatteln und die Pferde zu wechseln. Jetzt reitet man einfach los, treibt ggf. das „neue“ Handpferd etwas vorwärts, und hat dann auch keine Probleme mit Richtungswechseln etc., weil dem Jungpferd der Heimweg ja schon bekannt ist. Beim ersten Mal bleibt man nicht länger als 15 Min. im Sattel des Neuen…

Die Neue macht auch erwartungsgemäß keine Probleme. Zwar macht sie einige Schritte beim Aufsteigen – ich wiege leider doch 80kg – aber sie neigt nicht dazu loszurennen sondern wartet erstmal ab was passiert. Ein „Ho-Pferd“, kein „Go-Pferd“. Bei Arabern sind das meistens die besseren. Und dann stiefelt sie los, mit Siebenmeilenschritten. Der Rücken bewegt sich wie bei einem Kamel. Bequem ist was anderes. Traben geht besser, wobei ich etwas leichttrabe. Beim dritten Mal lasse ich sie sogar ein paar Galoppsprünge machen, lang und locker. Dann sind wir leider an einer Linksbiegung falsch abgebogen und ich muss sie wieder abbremsen. Tja, ich hab Natascha auf die falsche, linke Seite genommen, und die Neue hat einen deutlichen Rechtsdrall.

Bisher hab ich kein Problem damit sie mit dem feinen Araberhalfter zu reiten, den dicken (14mm) Strick als Zügel unten eingeschnallt. Anfänge von Neckreining (außen angelegtem Zügel zur Richtungsänderung), fast jedes Pferd kapiert das. Heute will ich ihr erstmals eine Trense einschnallen und entscheide mich für das KK-Ausbildungsgebiß, was ich aber eigentlich normalerweise nicht zur Ausbildung benutze sondern eher um etwas „schwierige“ Pferde zu reiten die noch nicht ganz kandarenreif sind, oder in der Gruppe als Handpferd mitzuführen. Die „Neue“ hat aber trotz 9 Jahren, nach ihrem ganzen Gehabe, offensichtlich noch nie ein Gebiß im Maul gehabt und veranstaltet eine Viertelstunde lang ein fürchterliches Gekaue und Gesäge. Ich kann es mit Karabinern nicht ins Halfter schlaufen weil sie gleich versucht es auszuspucken oder die Zunge drüber zu nehmen. Es muß weiter hinten sitzen. Dann reite ich gleich zügig los und treibe die Neue an damit sie abgelenkt ist. Sie kaut und sägt und guckt unglücklich dabei. Nach 20 Minuten trägt sie es endlich ruhig einfach im Maul mit. Der Handpferdestrick ist nach wie vor am Halfter eingeschnallt.

Manche Reiter lieben ja wenn ihre Pferde ein Riesen-Gekaue am Gebiß veranstalten und der Schaum schon Blasen schlägt, als wären sie tollwütig. Anlehnung und Aufmerksamkeit dem Reiter gegenüber ist aber was ganz anderes! Nie werde ich vergessen wie Ligeira mir auf einem 80km-Distanzritt, nach 4 Std. oder 2/3 der Strecke, auf eine Pfütze zugaloppierend mit einem ganz leisen „knurps-knurps“ auf der Kandare meldete: „ich hab Durst!“ und dann, nachdem ich mich schnell im Sitz zur Parade aufgerichtet, froh dass meine „Wüstenstute“ endlich zu trinken geruhte, sie das als ebenso schnell als Erlaubnis verstand und eine Vollbremsung hinlegte dass um uns der Staub flog!

Mit der Neuen bin ich von sowas natürlich noch Jahre entfernt. Nach einer Stunde wird umgesattelt, und wir machen unseren bisher längsten „Ritt“ von fast 40 Minuten. Und alles Gespür im Hals für angelegte Zügel ist verschwunden; zur Richtungsänderung muss ich ihr den Kopf am Zügel in die Richtung ziehen wo ich hinwill, so richtig trensenpferd- und büffelmäßig. Anscheinend kann sich das Pferd nicht gleichzeitig oder kurz hintereinander auf „Hals“ und „Maul“ konzentrieren obwohl die Neue doch sonst so helle ist. Als ich die letzten 10 Minuten bergab zu Fuß gehe schnalle ich ihr zur Belohnung gleich das Gebiß wieder aus und sie guckt mich richtig freudestrahlend an, dass die Marter endlich vorbei ist. Das machen wir beim nächsten Mal wieder anders…!

Handpferd, die vierte…

Dienstag, Juni 21st, 2011

Mittlerweile hab ich die Neue 4x als Handpferd mitgenommen, und sie macht sich immer besser.

Sie ist ein feines Handpferd und gibt sich Mühe. Da wird nicht am Strick gezogen, da wird nicht voll die Bremse reingehauen wenn ihr etwas nicht passt. Ich hatte auch schon andere. Bloß vorgestern, da wollte ich auf dem Rückweg durch den Niedgesbach. Das ist bloß ein Rinnsal, an einer Stelle wo man als Wanderer rüberhüpfen kann ohne nasse Schuhe zu bekommen. Wir haben eine halbe Stunde gebraucht…. auch dass Natascha 20x vor ihr durch den Bach ist hat sie nicht beeindruckt. Am Ende hab ich Natascha angebunden und sie zu Fuß rübergeführt.

Sie ist ein „Ho“-Pferd. Wenn ihr etwas Angst macht bleibt sie ruhig. Die meisten Araber sind „Go“-Pferde, neigen zu Panikausbrüchen und zum Davonrennen. Sie macht das aber auf nette Art, ohne stätisch zu werden. Wahrscheinlich kann man sie auch gut anbinden, richtig ausprobieren wollte ich es noch nicht.

Neben Natascha als Handpferd läuft sie ruhig ohne wirklich nach vorne zu ziehen. Sie hat einen spektakulären Trab, und trabt lieber als zu galoppieren. Der Galopp ist lässig, raumgreifend, und ein bißchen auf der Vorhand. Galoppwechsel kein Problem. Sie ist eher Linkshänderin (Mähne rechts), läuft mittlerweile aber auf beiden Händen gleichgut als Handpferd. Darauf lege ich einen gewissen Wert. Man muss die Handpferde auf beiden Seiten schulen sonst werden sie schief.  Anfangs wollte sie, als eher nach rechts hohles Pferd, links kaum laufen. Aber eigentlich habe ich meine Handpferde lieber auf dieser Seite. Wohl eine alte Gewohnheit vom Isländerreiten.

Wenn Natascha ihr zu lange galoppiert wird sie von allein langsamer. Man kann sie dann wieder vorrufen oder abbremsen. Aber ich hatte es auch schon einmal dass beide Stuten in ein heißes Wettrennen verfielen. Ich reite viel über Wege die etwas verwachsen sind, auch weil sie barfuß ist. St.Croix Eventer Eisen sind schon bestellt, aber erstmal will ich sehen wie sie ohne Eisen läuft. Wenn irgendwo Äste herumliegen passt sie gut auf.

Auch auf der Koppel ist sie unkompliziert. Seit 2 Tagen stehen die „vier“ jetzt zusammen. Sie frisst Gras, bemüht sich um Unauffälligkeit. Alex lehnt sie immer noch ab. Wenn er kommt um sie zu verjagen versteckt sie sich hinter Natascha, und Natascha beschützt sie ein bißchen. Er hat jedenfalls unmißverständlich klar gemacht dass noch immer er der Chef ist, auch mit nur noch wenigen Zähnen…

Gestern hatte es geregnet, da wurden sie richtig nass. Temperatur ging von 20 auf 10 Grad runter, ihr war’s egal. Eigentlich finde ich, man kann Pferde gut im Regen fotografieren, oder..?

Neues Pferd – Neuer Blog

Freitag, Juni 10th, 2011

Khorsheed

Mein letztes Pferd hatte ich 1995 gekauft. Dazwischen gab es den Versuch Ligeira nochmals decken zu lassen. Erklärtermassen suche ich schon eine ganze Weile. Die Suche fand aber nur mit geringer Intensität und zeitlichem Engagement statt. Man schreibt: „ich suche eine Stute, klein und schwarz“ und es kommen einen Haufen Leute mit großen hellen Wallachen und sagen einem „Hey, ich hab ein Pferd für Dich!“

Von reitenden Bekannten bekommt man natürlich auch hin und wieder Tips, das da irgendwo ein Pferd zu verkaufen wäre : das sind dann solche die sie sich selber auch nicht als Dritt-Pferd zulegen würden. So verliert man mit der Zeit die Lust am Suchen. Bei mir ging es soweit dass ich mir neue Hobbies zugelegt habe, neben den Pferden (viel zu reiten gab es ja nicht mehr)…

Aber am Montag traf ich ich Melanie im Kindergarten, die hatte einen tauglichen Tip : „Ich hab gehört dass auf dem und dem Zuchtbetrieb, 40-50km von hier, morgen eine Zwangsversteigerung stattfindet; es handelt sich um Zuchtpferde von einer Einstellerin die ihre Stallmiete nicht bezahlt hat“

Die Auktion war auf der Website des kleinen Gestüts – dessen Name nicht unbekannt ist, hier aber vorerst nicht verraten wird – vermerkt, die zu verkaufenden Pferde (3 Stuten, 1 Hengst) beschrieben. Die Auktion sollte mittags um drei stattfinden, zum Glück konnte ich mir ein paar Stunden freinehmen. Ich fuhr hin weil mich eine Braune interessierte und kam mit einer Schimmelstute zurück…