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Die Bestrafung des Mörders

Dienstag, Juli 26th, 2011

Ein berühmter König von Norwegen, ein im Volk geliebter, gerechter Staatsführer, der sich sowenig um seine Sicherheit sorgte, dass er nur einen alten, tauben Diener als Leibwächter hatte, der keiner Fliege etwas zuleide tun, geschweige denn seinen König verteidigen konnte, wurde von einem Unbekannten heimtückisch ermordet. Das ganze Volk war entsetzt und traurig über diese ruchlose Tat.

Niemand machte daher dem Diener Vorwürfe. Den Mörder aber brachte man vor Gericht, wo der älteste Richter des Landes ihm die Frage stellte, die sich jeder im Lande fragte:

Warum hast Du das getan?

Der Mörder antwortete: Meine Tat war völlig sinnlos, aber durch diesen Mord werde ich für immer berühmt. Und niemand wird meinen Namen je vergessen.

Der Richter hörte sich das an, dachte eine ganze Weile nach, und fällte dann sein Urteil mit den Worten:

Du irrst Dich, Mann.

Da Du grundlos und mit Vorsatz getötet hast, verurteile ich Dich zum Tode. Das wird Dich vielleicht nicht überraschen, denn die Todesstrafe für Mord ist ja bekannt.

Ich verfüge aber ein weiteres :

Niemand wird Deinen Namen erfahren. Ich spreche ihn nicht aus. Er werde nicht niedergeschrieben, und sei für immer ausgelöscht von den Erinnerungen der Menschen. Niemand wird Dein Bild zeichnen oder aufbewahren. Nur an Deine Tat wird man sich mit Abscheu erinnern. Und nun geh ohne ein Wort, denn was sonst jedem Verurteilten zusteht, werde ich Dir nicht gewähren. Bitte Gott um Vergebung und bereite Dich darauf vor, dass Du heute abend gehenkt wirst. Ich werde ebenfalls für Dich beten. Das ist alles was ich für Dich tun kann.

So waren die Worte des Richters. Und so geschah es.

Es gab damals noch keine Zeitungen, kein Internet und kein Fernsehen. Was im Falle eines weniger klaren Tatsachverhalts dem Schutz des Angeklagten hätte dienen können, Staatsanwalt oder Verteidiger, Gutachter, war alles noch nicht erfunden. Zu jener Zeit war der Richter all das in Personalunion. Und jeder erkannte und lobte die Weisheit seines Spruchs. Auch die Herolde und Sänger, die diese Geschichte im Volk weitererzählten, das auf dem nächsten thing einen neuen König wählte…