Erster Beschlag (28.4.2012)

Juni 27th, 2012

Nach nun 1000 gerittenen km, davon fast 300 im letzten Monat (plus 100km Handpferd) habe ich mein Pferdchen nun zum ersten Mal beschlagen — und berichte gleich vom Ende dieser ersten Beschlagperiode…

Auch wenn ich seit über 20 Jahren meine Pferde nun selbst beschlage bin ich doch vorsichtig mit solchen Entscheidungen, wenn ein Pferdchen so toll barfuß läuft wie meine Kleine. Man soll der Natur doch nur ins Handwerk pfuschen wenn es wirklich erforderlich ist. „Der Hufbeschlag als „notwendiges Übel“ sollte auf das wirklich notwendige beschränkt bleiben“ (Zitat nicht wörtlich, aber dem Sinn nach, Rittmeister Peter Spohr, der wirklich viel ritt). Es gibt wohl nicht allzuviele Schmiede die das genauso sehen.

Beschlagen habe ich sie mit St. Croix Eventern, das sind die besten Eisen die man für Geländepferde heute kaufen kann. Stand der Technik, Punkt! Genau solche Eisen hätte ich mir schon vor 10-15 Jahren gewünscht! Sowas muss natürlich mal wieder aus Amerika kommen. Sie sind sogar innen angeschliffen wie das jeder vernünftige Schmied mit der Flex nach dem Schmieden ohnehin macht. Sowas tolles! Feine Lochung. Meine Faure die aus alten Zeiten bei mir noch kartonweise stehen werden jetzt wohl Rost ansetzen… das Bessere ist des Guten Feind, so ist es richtig, und so muss es auch bleiben.

Befestigt habe ich sie mit 4 Nägeln je Eisen weil sie so feine Hufchen hat, und natürlich hat es die volle Beschlagperiode, d.h. genau 6 Wochen und 581km gehalten, und auf dem ganzen Tragbereich zeigte sich hinterher ein tadelloser Hufmechanismus. Wenn man in einer Beschlagperiode 800 oder mehr km geht – 13 Jahre her dass meine Pferde sowas mal schafften, und wer sonst geht das? – dann muss man sich was anderes überlegen, oder sehr sehr gutes Geläuf haben, sonst sind diese Eisen zu fein. Aber was macht’s? Welchen Wert hat es ein Eisen, das als Rohling 3,- kostet, ein 2. Mal aufschlagen zu können, um sich dann irgendwie – oder auch nicht! – mit messerdünnen Eisen über eine 2. Beschlagperiode zu retten? Und wer sieht sich die Innenseiten eines solchen Eisens nach dem Abnehmen genau an? Eingearbeitet, Hufmechanismus blockiert, der Zwanghuf winkt schon, und Trachten sind wahrscheinlich auch keine mehr da!

Umbeschlagen macht mit diesen Eisen nur Sinn wenn man sehr, sehr wenig reitet. Als Reserveeisen für den Notfall taugt es wohl noch wenn man es abnimmt, aber für kaum mehr.

Welche Größe? 0/0 vorne/hinten, also mit „feine Hufchen“ meine ich nicht winzig, sondern durchaus wohlproportioniert. Keine „Zierhufchen“ wie sie manche Araber haben, und wozu der Araber vielleicht sogar neigt wenn er dauerhaft beschlagen ist…

Und warum hab ich sie jetzt beschlagen? Weil die Swiss Horse Boots zunehmend verlorengingen bei Ritten. Wahrscheinlich weiten sie sich ein bisschen im Gebrauch. Will aber nichts schlechtes gegen sie sagen, sind Super Hufschuhe : kann eine tolle Lösung sein für die Übergangssaison oder den nicht ganz harten Gebrauch. Zweitens, und vielleicht wichtiger, hab ich sie beschlagen, weil ich feststellte dass sie sich doch etwas schief abläuft vorne (innen stärker) und die Vorderhufe in der Tendenz zu flach werden (48-49° Zehenwinkel). Da bekomme ich leider Angst um die Beugesehnen. Die Zehenlänge ist mit 8,5-9cm durchaus okay, es sind sehr wohl auch ansehnliche Trachten vorhanden, im Unterschied zu vielen Arabern. Wenn ich nicht so skrupulös, und ihr Gang nicht so überzeugend wäre, hätte ich sie schon längst auf 53° korrigiert. Vor 10 Jahren hätte ich das bestimmt gemacht. Aber irgendwie scheinen diese etwas flacheren-als ideal- Hufe für sie richtig zu sein. Hat vielleicht auch mit ihrem flachen raumgreifenden Trab zu tun, bei dem die Trachten nunmal zuerst landen. Heisst auch: Bei diesem Pferd sind die Trachten ruckzuck weg, wenn man gedankenlos beschlagen lässt oder auch ebenso barhuf reitet, und dann ist es zum Krüppel nicht mehr weit! Mit dem Beschlag habe ich sie jetzt ganz leicht steiler gestellt, auf 50°. Nach 6 Wochen Beschlag waren es wieder 49°, und dann, nachgewachsen, war genug Horn da sie auf 50-51° zu stellen. Und jetzt bin ich gespannt was sie sich unbeschlagen „anläuft“, und lasse sie nicht kilometerweise ihren Marschtrab gehen, sondern galoppiere auch viel, was sie ebensogut kann. Der langen Rede kurzer Sinn= flacher werden die Hufe immer von alleine — steiler unter normalen Umständen nicht…

Es gefiel mir dass sie mit Beschlag nun nicht anfing die Hufe aufzuknallen sondern weiterhin ein bißchen gelenkschonend läuft, wenn auch nicht fühlig (vorher auch nicht). Hab das Zehenteil auch etwas zurückgerichtet dass sie das Eisen unter dem Hufbein etwas fühlen kann. Mit vielen Pferden kann man das nicht machen, da bringt man besser eine Zehenabrundung an. Die schlage ich nur in die vordere Abrollkante hinein, lasse also die Innenseite glatt. Früher hab ich gewaltige Zehenrichtungen angeschmiedet, über diese Phase bin ich auch hinweg…

Wenn ich höre dass Pferde nach dem Beschlagen nicht gleich „rund“ gehen, sträuben sich mir  die Haare bei so einem Verständnis vom Schmiedehandwerk. Mein alter Schmied, Meister Guckes aus Glashütten, von dem ich viel gelernt habe, hat bei solchen Sätzen vor 30 Jahren immer den Kopf geschüttelt; das war ein höflicher vorsichtiger Mann der nicht leicht widersprach, und sein Handwerk im Krieg gelernt hat. Was mich an ihm stets am meisten beeindruckt hat war seine unerschöpfliche Geduld mit Pferden. Und er war körperlich keineswegs ein Mann dem man diesen Beruf ansah… was mir zeigte dass Grips für einen Hufschmied doch wichtiger sind als Muskeln. Denn um das Eisen zu formen beherrscht man schliesslich das Feuer…

Sie hat übrigens kaum Theater gemacht beim Beschlagen. Ein bisschen Angst hatte sie beim brennen. Pferde spüren wenn ihnen das Horn weggebrutzelt wird, und der Gestank von verbranntem Gewebe lässt wohl jedes Tier das nicht schon total abgestumpft ist instinktiv zurückschrecken; dafür muss man Verständnis haben. Ich gehöre auch nicht zu den Schmieden die bei gesunden Hufen das Brennen ängstlich vermeiden, bloß geringhalten sollte man es… Aber ihre Angst hielt sich im Rahmen, und eigentlich hat sie sich profihaft und vertrauensvoll verhalten. Andrea hat sie nur ein paarmal liebevoll ablenken müssen und meinte, sie hat wohl aus der Box schon oft zugeguckt wie andere Pferde beschlagen wurden. Pferde sind ja auch nicht blöd, und Araber schon gar nicht… Natascha stand daneben und hat auf sie aufgepasst, und anschließend habe ich ihr auch noch einen Satz Eisen verpasst, allerdings nur vorn…

Wie anfangs gesagt, nach genau 6 Wochen musste der Beschlag runter. Die Hufe waren riesig gewachsen. Jetzt geht sie wieder barfuß, und das könnte von mir aus noch 4 Wochen oder so bleiben…

Mit Kandare!

März 30th, 2012

Nach sechsmonatigem Reiten (600 gerittene KM) hab ich es jetzt nochmal mit Kandare probiert: die bewegliche C-Stange, und mit einem zusätzlichen Paar Trensenzügel: Extra angefertigt in der Länge zu den Kandarenzügeln passend.

Ich hatte einen halben Ritt lang Kampf mit ihr, weil sie merkte dass sie mit diesem Gebiß nicht mehr herumspringen kann wie sie möchte und ich als Reiter Kontrolle über ihren Hals habe. Ein paarmal riß sie übel den Kopf ganz nach oben und machte Anstalten bockig zu werden, aber ich ritt sie einfach ruhig vorwärts, ohne sie mit den Zügeln festzuhalten. Und sie da, plötzlich war es gut.

Und nun habe ich das mit feinsten Hilfen zu reitende Pferd. Nicht nur allein das Wegspringen ist verschwunden. Da ist es wieder, ein Pferd dessen Maul man spürt, das am Zügel geht obwohl dieser 5cm durchhängt. Das hatte ich zuletzt vor 10 Jahren – wie sehr hat mir das gefehlt… Das nenne ich Anlehnung, das nenne ich reiten! Ein Bindfaden statt des Zügels würde auch genügen!

Letztes Wochenende waren wir mit Zahra und Quarta am Hubertushof, und sie war wirklich souverän. Ruhiger Galopp, kein Problem!

Vor 20 Jahren hab ich es das erste Mal erlebt dass man feine, sensible Pferde mit Kandare und 4 Zügeln wirklich gut reiten kann. Seitdem wiederholt sich das irgendwie immer wieder. Ich wollte eigentlich gar nicht dahin. Es wär doch auch was gewesen dies Pferd nur auf Knotenhalfter zu reiten. Aber der Unterschied an Feinheit, an Kontrolle ist einfach zu deutlich. Es gibt nichts wirklich reiterlich neues unter der Sonne. Wer lang genug geht steht irgendwann wieder vor seinen eigenen Fußstapfen.

Zwischenbericht Anfang März

März 5th, 2012

Am Wochenende war ich das erste Mal probehalber mit SwissHorseBoots mit ihr unterwegs (15km). Für kleines Geld mal auf einem Reiterflohmarkt gekauft, damals ohne ein Pferd worauf sie passen (Gr. 1, ca. 12cm). Sie sind mit Einlagen schon leicht assymetrisch angepasst; heute gibt es Größen für rechts und links. Khorsheet passen sie bestens während die Easyboots (neue) Gr. 1 zu groß sind. Sie geht noch immer gut auf steinigem Boden und ich muss sie immer noch an die Wegränder „bitten“. Aber mit schon rund 200km pro Monat kann das nicht so ewig weitergehen ohne Hufschutz, selbst mit ihren steinharten Hufen…

Ansonsten reite ich sie im Moment mit Ligeira’s altem Parellihalfter. Der Zügelstrick ist auch dünner geworden, weil sie mir gezeigt hat dass der dicke ihr zu grob und schwer ist. Sie reagiert auf immer feinere  Hilfen, ich habe gar nicht das Bedürfnis sie mit „mehr“ zu reiten. Aber wenn ich sie zu deutlich zu Galopp auffordere quittiert sie das mit Ohrenanlegen. Sie legt Wert auf ihre Freiheit: nicht nur ihren Kopf zu tragen wie sie möchte sondern auch „selbst“ über Gangarten zu entscheiden – auch das kenne ich irgendwoher..!

Am Donnerstag bin ich erstmals eine Strecke von ca. 25km mit ihr alleine unterwegs gewesen. Das beste Pferd, wenn man sie unterwegs dabeihat… sie ist nicht schenkelscheu, lässt sich wunderbar und mit leichtestem Einsatz vorwärtsreiten. Im Straßenverkehr, oder wenn Hunde auf sie zuspringen hat sie Nerven wie Drahtseile, im schwierigstem Gelände geht sie auf kleinste Hilfen durch dick und dünn, hat sich noch nie eine Schramme geholt. Klar, sie ist immer noch ein bißchen guckig bei albernen Sachen wie Baumstämmen neben den Wegen – damit muss man wohl leben bei einem Pferd das so leichtfüssig und perfekt ausbalanciert ist… in nullkommanix hat sie abgestoppt und die Nase am Boden, um das merkwürdige Ding wie ein Wild auszuwittern… ein Pferd mit weniger perfektem Gebäude und einem Bremsweg wie ein D-Zug käme nie auf solche Gedanken!

Ein Schritt zurück…

Februar 1st, 2012

Vor 2 1/2 Wochen bin ich mein Ponychen mit Kandare und Bosalersatz geritten, 4 Zügel und die Kandarenzügel nicht angefasst, wie auf dem Bild aus dem letzten Beitrag, und bin wieder zurück auf „gebißlos“… es war zu früh. Khorsheet scheute auf dem Ausritt vor jedem Stein und jedem Holzstück, und schliesslich verlor ich die Geduld und versuchte sie an den Dingen, die sie alle schon einmal gesehen hatte, vorbeizuzwingen. Und siehe da, Genaschenfreiheit des Arabers sei dank, sie wurde noch viel hibbeliger und rollte sich auf bis sie den Kopf an der Brust hatte…

Mir war sofort klar dass dieser Weg mein Pferd verderben wird, und ich wieder aufs gebißlose Reiten zurückgehen muss, zumal sie das ja so toll macht. Ich hab noch nie ein Pferd geritten dass sich gebißlos so feinfühlig, mit Haltung und Anlehnung reiten lässt. Sogar wenn ich sie leicht bergab trabe geht sie dabei so im Gleichgewicht dass man meint, sie könne jederzeit angaloppieren. Ihren Kopf, den sie anfangs höher trug als Natascha, trägt sie jetzt gleichhoch. Und natürlich ist „bremsen“ auch kein Problem…

Ich hatte aber wegen der Scheuerei noch ganz andere Gedanken, nach dem verdorbenen Ausritt vorletzten Sonntag – nämlich die Befürchtung, hier einen Feigling großzuziehen. „Wenn das nicht besser wird, dann verkaufst Du sie wieder!“ Aber beim nächsten Ritt hat sie mich gleich wieder versöhnt. Sie ist kein Feigling, sondern unternehmungs- und abenteuerlustig, genau wie ich das gern habe. Manchmal scheuen Pferde eben wenn ihnen ganz andere Sachen unbehaglich sind… sie wissen oft nicht woher ihre unangehmen Gefühle kommen, und dann ist irgendwas anderes dran „Schuld“!

Am Sonntag haben wir den Schnee in den höheren Lagen (nur ein paar cm, ab 600m aufwärts) genutzt und sind auf den Altkönig, das ist schon eine Tour für Fortgeschrittene, wir sind den steilen Nordhang rauf statt dem bequemeren Weg von Süden her. Da liegen die Pfade so derartig voller Steine und Felsbrocken dass sie das Scheuen davor wieder eingestellt hat…

Foto: Aussicht vom Altkönig (viele Wolken im Urselbachtal)

Matschwinter

Januar 10th, 2012

Khorsheet mit Kandare und Kappzaum

1068km, davon 233 geritten. Jetzt bin ich sie schon dreimal alleine geritten, „die Kleine„, „mein Ponychen„.

Sie ist richtig abenteuerlustig, hat aber auch ihren eigenen Willen. Sonntag musste ich sie leider dreimal durch Pfützen reiten weil ihre Abneigung, um alles nasse herumzulaufen, langsam zu einer rutschigen Angelegenheit wird. Sie hat aber auch recht: alles ist nass, nass, nass. Über etwas Frost wäre ich langsam froh. Über Schnee sowieso.

Sie mit dem Bosalersatz zu reiten klappt wirklich gut. Sie lässt sich auch damit biegen und trägt den Kopf schon viel besser. Wenn sie zuviel am Strick gezupft bekommt kann sie schon mal genervt den Kopf zur Seite drehen, tut das aber wirklich selten. Eher schiesst im Galopp mal der Kopf hoch, so Trinker der Lüfte-mäßig, aber wirklich nur aus Übermut und Lebensfreude… ich zupfe sie nicht in Haltung, das geht mit Bosal auch gar nicht. Sie soll die zweckmässigste Haltung selbst herausfinden; ich geb ihr bloß Hinweise. Wo es vom Geläuf her geht, üben wir kurzen Galopp. Soweit sie den selber gehen will. Winter ist ja Schrittreitzeit. Der alte Abercrombie Triple-T, Ligeira’s früherer Wettkampfsattel, scheint ihr gut zu passen und ist eine geeignete Unterstützung zum präzisen Reiten. Soweit sind wir schon! Wie ich Susanne am Freitag auf dem Stammtisch schon sagte: Wir sind noch am Anfang, aber sie kann schon mehr als die meisten Pferde!

Ich rede viel mit ihr, und sie hört mir zu. Im Gelände hat sie schon richtig Spaß an fremden Wegen und richtig komplizierten Sachen mit umgefallenen Holz. Und denkt dabei so weit voraus dass man selber auch schon ganz fix mit dem Kopf sein muss damit sie einem die Entscheidungen nicht abnimmt. Kein Beamtenpferd!

Sonntag abend habe ich ihr probehalber die bewegliche Kandare ins Maul gelegt. Die langen Ösen des spanischen Zaums erlauben hier wunderbar noch das Unterlegbosal zusätzlich mit einzuschnallen um wie gehabt mit Neckreining/ indirektem Zügel zu reiten, wobei man anfangs die Kandarenzügel bloss lose mitnimmt. Sieht sehr gut aus am Pferd. Mal wieder zwischen allen „Stilen“, aber was soll’s, das Pferd ist wichtiger als solche Fragen. Ich habe daraufhin gestern die schönen alten Kandarenzügel aus der Asservatenkammer geholt und mit Liebe eingefettet. Die sind so dünn und haben so fragile Karabinerchen dass ich Natascha damit nie reiten mochte, weil die doch eine deutlich festere Anlehnung sucht, selbst auf Kandare. Eigentlich eine Kleinigkeit, und dann habe ich gemerkt, wieviel mir an ihnen liegt. Ich habe so ein Gefühl, meine Khorsheet könnte auch so ein wunderbares Pferdchen werden dass man am Seidenfaden reiten kann wie meine Ligeira…

Es wird Winter…

Dezember 14th, 2011


Nun habe ich nur noch zwei Pferde: Natascha und meine Neue, „die Kleine“. Alex und Ligeira fehlen mir schrecklich. Jetzt ist Khorsheet diejenige die als erste an den Zaun kommt. Ich bin sie jetzt 25 mal geritten, letzte Woche sogar 1x alleine bis nach Treisberg (9km), und am Samstag sogar 12km am Stück: über den Mooshof, Meerpfuhl zum Landstein. Da gab es erstmals leicht gefrorene Wege bei denen sie aufpassen musste.

Als junger Reiter hat man den Vorteil, dass man ohne Erwartungen an ein junges Pferd herangeht. Aber wenn man wie ich schon mal ein richtig tolles Pferd gehabt hat, misst man alle späteren an diesen. Bewusst oder unbewusst. Vielleicht heisst es ja deswegen „Junge Pferde – Junge Reiter“. Alte Reiter haben den Kopf nicht frei, verlangen zuviel…

Andererseits: Man hat die Erfahrung, das junge Pferd überlegt an alle Sachen heranführen, vorsichtig und in kleinen Schritten. Man wird das viel besser machen als bei seinem ersten Pferd. Aber ob sie bloß „mitmachen“ oder richtig Geist entwickeln, das merkt man wenn es wirklich drauf ankommt. Wenn man Pech hat, stellt man erst nach 1-2 Jahren Arbeit fest dass man einen Aufgeber herangezogen hat, einen Quitter. Wenn es wirklich drauf ankommt, ist nämlich der Charakter entscheidend, und der ist nicht trainierbar. Rennpferdeleute nennen das den Willen zum Sieg. Natürlich geht es um mehr als den Sieg. Es ist etwas das „da ist“ oder „nicht da ist“…

Es geht um die Lust an der Bekämpfung von Schwierigkeiten. Für ein Wanderrittpferd, um den Blick auf die weite Strecke mit gespitzten Ohren, den Willen nach vorwärts, die Neugier was hinter der nächsten Kurve ist. Auch wenn vielleicht das Wetter ungemütlich ist, das letzte Quartier nur mässig war, oder einfach alles wehtut… Die positive Grundeinstellung! Die ist beim Pferd genauso wichtig wie beim Reiter. Vielleicht sogar noch mehr!

Ich fürchte mich davor die Neue mit Erwartungen zu überfrachten, sie an einer unmessbaren Latte zu messen. Ein Fehler den ich schon einmal mit Natascha gemacht habe. Ich bin zu ihr oft ungerecht gewesen: dieses große starke Pferd, ohne körperliche Fehler – Ligeira hatte viele davon – und dann kneift sie sobald es unbequem wird. So ein Drückeberger! Vielleicht muss man ein solches Pferd verkaufen, sobald man feststellt dass einen ein bestimmter Fehler stört. Bevor man ihm ein Stigma aufpresst. Vielleicht habe ich diesen Zeitpunkt bei Natascha verpasst. Aber ich bin nun mal jemand der sich nicht leichtfertig trennt. Auch nicht von Pferden.

Khorsheet hat, soweit ich das bisher feststellen kann, keine körperlichen Mängel. Sie ist recht kräftig für einen Araber, besonders in der Hinterhand. Ihre Hufe sind sogar unerwartet gut, hart wie Stahl! Aber sie erinnert mich, obwohl sie 5-7cm größer ist, ein bisschen an  Ligeira, auf die ich eigentlich immer Rücksicht nehmen musste, solange ich sie ritt. Vielleicht aber auch nur durch ihre ähnlich liebe Art. Körperlich ist sie Quasara sehr ähnlich. Auch die war so ein richtig runder, abgedrehter Typ, mit Bedacht laufend, Typ Kinderpferd. Und wenn es drauf ankam, schnell wie der Blitz… Während Natascha mich immer mühelos getragen hat, macht mir Khorsheet durch ihre Art wie sie mich trägt wieder bewusst dass ich eigentlich eine Zumutung für sie bin, als Reiter. Sie würde das wahrscheinlich mit jedem Reiter so machen, aber egal! Bis zum nächsten Frühjahr will ich wieder 12kg abnehmen, bis zu meinem „Kampfgewicht“ aus der Distanzritt-Ära.

Das hat etwas mit Ernsthaftigkeit zu tun, mit Professionalität, mit Anspruch an mein Tun. Wir betreiben ja nicht bloß ein Hobby. Wir verlangen von unseren Pferden echt eine Menge. Da dürfen wir es uns auch nicht selber bequem machen.

Klar, die physischen Grundlagen müssen stimmen, damit ein Pferd Leistung erbringen kann. Aber das entscheidende ist der Kopf (bzw. das Herz, wenn einem das lieber ist). Und an dieser Stelle bin ich mit Khorsheet bisher sehr zufrieden. Wenn sie etwas nicht tun will, dann hat sie ihre Gründe. Sie wird dabei nicht stur oder stockig, sondern zeigt es auf charmante Art (Araber halt..), um Verständnis werbend. Letzte Woche ging sie durch die angeschwollenen Weilfurten mit gespitzten Ohren: obwohl sie ein bisschen Schiss hatte vor dem vielen Wasser. Aber sie ging! (und am Anfang wollte sie durch gar kein Wasser gehen!)

Geradezu supercool ging sie auf dem Adventsritt von Henning und Josie. Das erste Mal in einer Gruppe, und gleich so als ob sie es schon 100x gemacht hat. So richtig selbstbewusst. Da lachte mir das Herz, denn es zeigte mir dass ich bisher alles richtig gemacht hab mit ihr. Und dann der Gruppengalopp: ich hatte echt Schiss dass sie mir abgeht — und dann bleibt sie in höchster Pace Kopf an Kopf mit Natascha ohne am Strick zu zerren, und wir überholen einen Reiter nach dem andern. Und am Schluss senkt sie den Kopf ins Gras: war irgendwas?! Ligeira war nie so cool sobald es ums Rennen ging, das war immer ihr schwacher Punkt…

Ich gehöre nicht zu denen die einem Pferd den Leistungswillen absprechen bloß weil sie ein hübsches (Araber-) Köpfchen haben. Dazu hab ich zuviele Pferde kennengelernt bei denen dies gängige Vorurteil nicht stimmte: Quasara, Dscherana (meine Lieblingspferde bei Uli), schließlich auch Zhara. Ein echtes Leistungspferd braucht vielleicht nicht unbedingt so auszusehen:

Ligeira, nach dem 8.(!) Biwak, Thüringen-Wanderritt 1996

Schon 750km als Handpferd!

November 14th, 2011

Vor mehr als 15 Jahren, damals noch aktiver Distanzreiter, hab ich begonnen ein Reitbuch als Excel-Tabelle zu führen über gerittene km, Strecken, Hufbeschlag, Fütterung, Weideumstellungen, Wurmkuren… überhaupt alle Einzelheiten rund ums Pferd die man so leicht vergisst — ohne  die man aber nicht auskommt, wenn es irgendwann mal gilt nach Fehlern zu suchen die man gemacht hat. Oder generell, unvermeidliche Fehler „so klein wie möglich“ zu halten…

In Zeiten wo ich wenig ritt, hab ich mein Reitbuch (das vor 30 Jahren einen Vorgänger in Papierform hatte) manchmal nicht akkurat gepflegt, in Zeiten mit hoher Arbeitsbelastung für die Pferde aber immer. In manchen Jahren gingen die Pferde 4.000km im Jahr, geritten oder als Handpferd. In diesem Artikel (den ich mal für Distanz Aktuell verfasst hab) steht mehr dazu.

Die „Neue“ hat jetzt, in rd. 5 Monaten, genau 750km absolviert, das meiste als Handpferd (geritten noch keine 100) . Wir haben damit, und zwar ohne wirkliches Bewusstsein von „Arbeit“ – meine Pferde haben zwar einen Job aber ich „arbeite“ sie nicht… – ganz spielerisch und kinderleicht, eine Grundfitness aufgebaut, für Muskulatur, Sehnen und Hufe. Auf diese werden wir nächstes Jahr weiter aufbauen können. Jetzt beginnt die Zeit wo man bei ganzjähriger Weidehaltung wie ich sie pflege die Arbeitsbelastung zweckmäßigerweise stark runterfährt, auch wenn man keine monatelange „Winterpause“ macht – wovon ich (nicht bloss weil man im Hohen Taunus bei Schnee so herrlich reiten kann) nie ein Freund war. Üblicherweise ist der November mein reitschwächster Monat, dieses Mal war er es nicht. Und auch für meine beiden alten Pferde war es nochmal ein herrlicher Herbst…

Hurra, sie geht!

November 3rd, 2011

Gestern abend hatte ich wirklich zum ersten Mal das Gefühl sie zu „reiten“. Und das, nachdem sie mich am Sonntag bereits 7km herumgetragen hat, im Schritt, Trab und auch ein paar Sprüngen Galopp.

Aber gestern, da hat sie dabei zum ersten Mal wirklich auf meine Hilfen gewartet und reagiert. Ich überfalle sie ja nicht damit sondern biete sie nur an. Und auch nur wenn sie nicht negativ darauf reagiert. Ein bisschen Gewichts- ein bisschen Oberschenkelhilfen. Magst Du das, stört Dich das? Hier lege ich Dir rechts den schweren Zügel an den Hals, das bedeutet es geht gleich nach links. Mach mit dieser Vorankündigung was Du willst…!

Wir begannen wieder mit 6-7km Handpferderitt. Schon allein dabei ist sie viel feiner geworden. Ein fein reagierendes Handpferd, das wieder zieht noch sich zurückhängen lässt, das auf jede Bodenunebenheit aufmerksam reagiert, dass 100% hellwach und reaktionsschnell ist, über jeden Ast springt (aber nicht so dass es das Reitpferd aus dem Takt bringt) ist ein echtes Vergnügen. Das erlaubt, auch mal in rasantem Tempo da durchzukommen wo kaum einer glaubt dass das möglich ist. Auf so einen Spaß, zusammen mit einem anderen ehrgeizigen Pferd freut man sich doch, nach einem langweiligen Herbsttag auf der Koppel!

Auf gutes Handpferdereiten wird im allgemeinen so wenig Wert gelegt dass es noch nicht mal irgendwo beschrieben ist. Dabei ist es der Königsweg in der Geländereitpferdausbildung!

Das fängt schon mit passender Ausrüstung zum Handpferdereiten an, die es kaum zu kaufen gibt.

Stolz!

Ich war schon früher ein großer Freund von Pferdestricken aus Hanf aber im Laufe vieler Jahre gingen sie alle kaputt oder verloren. Jetzt zum Handpferdereiten hab ich mir ein 14mm Kernmantelseil (Segelschot) in der mir passenden Länge anfertigen lassen:  Etwas länger als ein Parelliseil, weil ich die Handpferde gern unabhängig laufen lasse. Schwerer als die typischen Nylonstricke, aber es schwingt immer noch zuviel im höheren Tempo. Man muss immer wieder Leine einholen, das führt zu Mißverständnissen mit dem Handpferd weil es denkt, es müsse näherkommen. Außerdem wird es nicht als begrenzende Hilfe wahrgenommen wenn ich es leicht gegen das Handpferd baumeln lasse, weil ich vielleicht möchte dass das Handpferd auf der anderen Seite um ein Hinderniss herumläuft anstatt sich gegen das Reitpferd zu quetschen.

Wieviel anders mit einem schweren /16mm Hanfstrick! Der bounct nicht, sondern hängt gleichmässig durch, und wird dadurch vom Handpferd gleich als „Einrahmung“ verstanden. Der fasst sich auch ganz anders an.

Bei meinem letzten Pferd das ich zugeritten hab, vor 15 Jahren,  hab ich zu spanischen Kappzäumen gegriffen, dem Pluvinel  das ich aber irgendwohin verlegt oder verliehen habe… und Natascha ist, oder war schon immer ein anderer Typ, wesensmässig.. die will gesagt bekommen wo es langgeht, während die Neue gar nicht solange abwartet, die fragt von sich aus… die ist so feinfühlig, ein Typ für ein Unterlegebosal und den angelegten Zügel am Hals. Dazu braucht man wieder das Hanfseil, das wie eine schwere Mecate wirkt und auch so geführt wird, d.h. beidhändig mit großem Abstand zwischen den Händen. So wie das der Pionier des Westernreitens in Europa, Jean-Claude Dysli, 1973 in seiner Serie über das Bosalreiten in der Freizeit im Sattel beschrieben hat, die man unter Freizeitreitern bis weit in die Neunziger, als dann alle plötzlich „barock“ reiten wollten, als Referenzbeitrag über pferdefreundliches Anreiten kannte… (muss sie mal suchen und einscannen, bis dahin Anleitung für Mecate-Knoten hier)

Das Unterlegebosal lege ich übrigens nicht extra zum reiten an, das wird zum Handpferdereiten mit eingeschnallt, der Karabinerhaken des Stricks kommt gleichtzeitig mit in den unteren Halfterring, wie oben auf dem Bild. Das verhindert dass das Bosal herumbaumelt und an der Nase scheuert. – Habe ich schon erwähnt dass auch gut passende, nicht scheuernde, richtig eingestellte Halfter zum Handpferdereiten nicht eben selbstverständlich sind?

Das Unterschnallbosal gibt es übrigens als Tie-down für Westernreitleistungssportler zu kaufen… Ein Originalbosal hängt bei mir immer noch am Haken – die Pferdehaar-Mecate ist  irgendwie weg, die war noch 10x sperriger und stachliger als der Hanfstrick. Für mich nicht praktisch genug. Und ein Lindel hängt da auch noch, da fand ich die seitliche Einschnallung der Zügel schon irgendwie immer physiologisch verkehrt…

„Ich mag kein Mundstück!“

Oktober 24th, 2011

 

Mittlerweile bin ich auf der Neuen 3x draufgesessen – „reiten“ möchte ich das noch nicht nennen…

Ich hab meinen alten Malibaud Randonneursattel wieder entstaubt. Es ist der einzige Sattel von dem Natascha keinen Gurtdruck bekommt, aber länger als 2 Std. kann man sie damit nicht reiten weil er in der Kammer etwas zu schmal ist. Mal gucken wie er der Neuen passt. Sie hat ja auch einen riesig breiten Rücken. Zudem ist er noch ziemlich kurz und muskulös. Neulich haben wir festgestellt dass die alten Ligeira-Decken (135cm) prima passen, mein „Achtsitzer“-Pony die für ihre Länge etwas kurze Beine hatte… Natascha die bestenfalls eine halbe Hand größer ist hat 155cm…

Ich hab eine spezielle Art meine Pferde im Gelände einzureiten, seit über 20 Jahren. Man braucht dazu ein älteres braves Reitpferd das auch sehr gut – fleissig, nicht faul! – als Handpferd geht. Und man muss das Jungpferd bereits zuverlässig als Handpferd geschult haben. Die Methode ist eigentlich ganz einfach und besteht darin, auf einer Strecke die das Jungferd bereits gut kennt, nach etwa 2/3 der Strecke, also bereits wieder auf dem Heimweg, einfach umzusatteln und die Pferde zu wechseln. Jetzt reitet man einfach los, treibt ggf. das „neue“ Handpferd etwas vorwärts, und hat dann auch keine Probleme mit Richtungswechseln etc., weil dem Jungpferd der Heimweg ja schon bekannt ist. Beim ersten Mal bleibt man nicht länger als 15 Min. im Sattel des Neuen…

Die Neue macht auch erwartungsgemäß keine Probleme. Zwar macht sie einige Schritte beim Aufsteigen – ich wiege leider doch 80kg – aber sie neigt nicht dazu loszurennen sondern wartet erstmal ab was passiert. Ein „Ho-Pferd“, kein „Go-Pferd“. Bei Arabern sind das meistens die besseren. Und dann stiefelt sie los, mit Siebenmeilenschritten. Der Rücken bewegt sich wie bei einem Kamel. Bequem ist was anderes. Traben geht besser, wobei ich etwas leichttrabe. Beim dritten Mal lasse ich sie sogar ein paar Galoppsprünge machen, lang und locker. Dann sind wir leider an einer Linksbiegung falsch abgebogen und ich muss sie wieder abbremsen. Tja, ich hab Natascha auf die falsche, linke Seite genommen, und die Neue hat einen deutlichen Rechtsdrall.

Bisher hab ich kein Problem damit sie mit dem feinen Araberhalfter zu reiten, den dicken (14mm) Strick als Zügel unten eingeschnallt. Anfänge von Neckreining (außen angelegtem Zügel zur Richtungsänderung), fast jedes Pferd kapiert das. Heute will ich ihr erstmals eine Trense einschnallen und entscheide mich für das KK-Ausbildungsgebiß, was ich aber eigentlich normalerweise nicht zur Ausbildung benutze sondern eher um etwas „schwierige“ Pferde zu reiten die noch nicht ganz kandarenreif sind, oder in der Gruppe als Handpferd mitzuführen. Die „Neue“ hat aber trotz 9 Jahren, nach ihrem ganzen Gehabe, offensichtlich noch nie ein Gebiß im Maul gehabt und veranstaltet eine Viertelstunde lang ein fürchterliches Gekaue und Gesäge. Ich kann es mit Karabinern nicht ins Halfter schlaufen weil sie gleich versucht es auszuspucken oder die Zunge drüber zu nehmen. Es muß weiter hinten sitzen. Dann reite ich gleich zügig los und treibe die Neue an damit sie abgelenkt ist. Sie kaut und sägt und guckt unglücklich dabei. Nach 20 Minuten trägt sie es endlich ruhig einfach im Maul mit. Der Handpferdestrick ist nach wie vor am Halfter eingeschnallt.

Manche Reiter lieben ja wenn ihre Pferde ein Riesen-Gekaue am Gebiß veranstalten und der Schaum schon Blasen schlägt, als wären sie tollwütig. Anlehnung und Aufmerksamkeit dem Reiter gegenüber ist aber was ganz anderes! Nie werde ich vergessen wie Ligeira mir auf einem 80km-Distanzritt, nach 4 Std. oder 2/3 der Strecke, auf eine Pfütze zugaloppierend mit einem ganz leisen „knurps-knurps“ auf der Kandare meldete: „ich hab Durst!“ und dann, nachdem ich mich schnell im Sitz zur Parade aufgerichtet, froh dass meine „Wüstenstute“ endlich zu trinken geruhte, sie das als ebenso schnell als Erlaubnis verstand und eine Vollbremsung hinlegte dass um uns der Staub flog!

Mit der Neuen bin ich von sowas natürlich noch Jahre entfernt. Nach einer Stunde wird umgesattelt, und wir machen unseren bisher längsten „Ritt“ von fast 40 Minuten. Und alles Gespür im Hals für angelegte Zügel ist verschwunden; zur Richtungsänderung muss ich ihr den Kopf am Zügel in die Richtung ziehen wo ich hinwill, so richtig trensenpferd- und büffelmäßig. Anscheinend kann sich das Pferd nicht gleichzeitig oder kurz hintereinander auf „Hals“ und „Maul“ konzentrieren obwohl die Neue doch sonst so helle ist. Als ich die letzten 10 Minuten bergab zu Fuß gehe schnalle ich ihr zur Belohnung gleich das Gebiß wieder aus und sie guckt mich richtig freudestrahlend an, dass die Marter endlich vorbei ist. Das machen wir beim nächsten Mal wieder anders…!

Die Bestrafung des Mörders

Juli 26th, 2011

Ein berühmter König von Norwegen, ein im Volk geliebter, gerechter Staatsführer, der sich sowenig um seine Sicherheit sorgte, dass er nur einen alten, tauben Diener als Leibwächter hatte, der keiner Fliege etwas zuleide tun, geschweige denn seinen König verteidigen konnte, wurde von einem Unbekannten heimtückisch ermordet. Das ganze Volk war entsetzt und traurig über diese ruchlose Tat.

Niemand machte daher dem Diener Vorwürfe. Den Mörder aber brachte man vor Gericht, wo der älteste Richter des Landes ihm die Frage stellte, die sich jeder im Lande fragte:

Warum hast Du das getan?

Der Mörder antwortete: Meine Tat war völlig sinnlos, aber durch diesen Mord werde ich für immer berühmt. Und niemand wird meinen Namen je vergessen.

Der Richter hörte sich das an, dachte eine ganze Weile nach, und fällte dann sein Urteil mit den Worten:

Du irrst Dich, Mann.

Da Du grundlos und mit Vorsatz getötet hast, verurteile ich Dich zum Tode. Das wird Dich vielleicht nicht überraschen, denn die Todesstrafe für Mord ist ja bekannt.

Ich verfüge aber ein weiteres :

Niemand wird Deinen Namen erfahren. Ich spreche ihn nicht aus. Er werde nicht niedergeschrieben, und sei für immer ausgelöscht von den Erinnerungen der Menschen. Niemand wird Dein Bild zeichnen oder aufbewahren. Nur an Deine Tat wird man sich mit Abscheu erinnern. Und nun geh ohne ein Wort, denn was sonst jedem Verurteilten zusteht, werde ich Dir nicht gewähren. Bitte Gott um Vergebung und bereite Dich darauf vor, dass Du heute abend gehenkt wirst. Ich werde ebenfalls für Dich beten. Das ist alles was ich für Dich tun kann.

So waren die Worte des Richters. Und so geschah es.

Es gab damals noch keine Zeitungen, kein Internet und kein Fernsehen. Was im Falle eines weniger klaren Tatsachverhalts dem Schutz des Angeklagten hätte dienen können, Staatsanwalt oder Verteidiger, Gutachter, war alles noch nicht erfunden. Zu jener Zeit war der Richter all das in Personalunion. Und jeder erkannte und lobte die Weisheit seines Spruchs. Auch die Herolde und Sänger, die diese Geschichte im Volk weitererzählten, das auf dem nächsten thing einen neuen König wählte…